Renale Osteodystrophie
Die renale Osteodystrophie bezeichnet eine Störung des Knochenstoffwechsels sowie -aufbaus, die sich als Folgeerscheinung einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung entwickelt, wenn die zunehmend eingeschränkte Nierenfunktion das empfindliche Gleichgewicht von Kalzium, Phosphat sowie den daran beteiligten Hormonen erheblich stört. Diese komplexe Stoffwechselstörung führt über Monate bis Jahre zu einer fortschreitenden Schwächung sowie Fehlstrukturierung der Knochensubstanz, die sich durch Knochenschmerzen, eine erhöhte Bruchanfälligkeit sowie bei Kindern zusätzlich durch Wachstumsstörungen äußern kann. Da die renale Osteodystrophie bereits in einem frühen Stadium der chronischen Nierenerkrankung beginnt, ohne dass zunächst relevante Beschwerden auftreten, wird eine regelmäßige, gezielte Überwachung des Knochenstoffwechsels bei jeder fortgeschrittenen Nierenerkrankung dringend empfohlen.
Ursachen
Die renale Osteodystrophie entsteht durch eine komplexe Kette von Stoffwechselveränderungen, die durch die zunehmend eingeschränkte Nierenfunktion ausgelöst wird, wobei die erkrankte Niere zunehmend weniger in der Lage ist, überschüssiges Phosphat auszuscheiden sowie die aktive Form von Vitamin D zu bilden, das für die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm sowie den geregelten Knochenaufbau unerlässlich ist. Als Reaktion auf den daraus resultierenden Kalziummangel sowie Phosphatüberschuss produzieren die Nebenschilddrüsen vermehrt ein Hormon, das Kalzium aus den Knochen freisetzt, um den Kalziumspiegel im Blut aufrechtzuerhalten, wodurch die Knochensubstanz über Monate bis Jahre zunehmend geschwächt wird.
Symptome
Die renale Osteodystrophie äußert sich über lange Zeit ohne relevante Beschwerden, bevor sich im fortgeschrittenen Stadium Knochenschmerzen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule, der Hüften sowie der Beine, entwickeln, die sich bei Belastung typischerweise verstärken. Eine erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche bereits bei geringfügiger Belastung sowie, bei Kindern, eine deutliche Verlangsamung des Längenwachstums sowie Fehlstellungen der Beine kennzeichnen den fortgeschrittenen Verlauf zusätzlich. Ein begleitender Juckreiz der Haut sowie Muskelschwäche können durch die zugrunde liegende Stoffwechselstörung ebenfalls auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose der renalen Osteodystrophie wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, die die charakteristischen Veränderungen der Kalzium-, Phosphat- sowie Nebenschilddrüsenhormonwerte sowie der Vitamin-D-Spiegel zeigt, wobei diese Untersuchung bei jeder Person mit einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung regelmäßig durchgeführt werden sollte. Eine Knochendichtemessung sowie in ausgewählten, unklaren Fällen eine Knochenbiopsie können das Ausmaß der Knochenschädigung sowie den genauen zugrunde liegenden Stoffwechseltyp zusätzlich genauer bestimmen. Bildgebende Untersuchungen mittels Röntgenaufnahme können bei fortgeschrittener Erkrankung charakteristische Knochenveränderungen zeigen.
Behandlung
Die Behandlung der renalen Osteodystrophie zielt auf eine gezielte Wiederherstellung des gestörten Kalzium-Phosphat-Gleichgewichts ab, wobei eine diätetische Einschränkung der Phosphataufnahme, sogenannte Phosphatbinder zur verminderten Aufnahme von Phosphat aus der Nahrung sowie eine gezielte Gabe der aktiven Form von Vitamin D die wichtigsten Behandlungssäulen darstellen. Bei einer bereits stark überschießenden Produktion des Nebenschilddrüsenhormons können spezifische, diese Überproduktion dämpfende Medikamente eingesetzt werden, wobei bei einer besonders ausgeprägten, medikamentös nicht beherrschbaren Überfunktion der Nebenschilddrüsen eine operative Entfernung eines Teils dieser Drüsen notwendig werden kann. Eine erfolgreiche Nierentransplantation kann die zugrunde liegende Stoffwechselstörung bei einem erheblichen Teil der Betroffenen deutlich bessern.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der renalen Osteodystrophie hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnosestellung sowie der konsequenten Behandlung der zugrunde liegenden Stoffwechselstörung ab, wobei eine frühzeitig begonnene, konsequente Behandlung das Fortschreiten der Knochenschädigung deutlich verlangsamen sowie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern kann. Eine unbehandelt fortschreitende Erkrankung führt dagegen zu einer zunehmenden Schwächung der Knochensubstanz mit einem erheblich erhöhten Bruchrisiko sowie, bei Kindern, zu einer bleibenden Wachstumsstörung. Eine regelmäßige, lebenslange Überwachung des Kalzium-Phosphat-Stoffwechsels ist bei jeder Person mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung von entscheidender Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Renale Osteodystrophie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch wird die renale Osteodystrophie ausgelöst?
Durch eine fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung, die den Kalzium-Phosphat-Haushalt erheblich stört.
Welche Rolle spielt das Nebenschilddrüsenhormon?
Es wird als Reaktion auf den Kalziummangel vermehrt produziert und setzt dabei Kalzium aus den Knochen frei.
Was sind wichtige Behandlungssäulen?
Eine Einschränkung der Phosphataufnahme, Phosphatbinder sowie die gezielte Gabe aktiver Vitamin-D-Form.
Welche Folge kann die Erkrankung bei Kindern haben?
Eine deutliche Verlangsamung des Längenwachstums sowie Fehlstellungen der Beine.
Weiterlesen
Pleurodynia epidemica (Bornholm-Krankheit)
Eine durch Coxsackieviren verursachte, meist in Ausbrüchen auftretende Infektionskrankheit mit anfallsartigen, sehr heftigen Brust- oder Bauchschmerzen, die typischerweise vollständig folgenlos ausheilt.
Weiterlesen →Weitere NotfälleMediastinitis
Eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Entzündung des Mittelfellraums zwischen den beiden Lungenflügeln, die vor allem als Komplikation einer Speiseröhrenverletzung oder nach Operationen am Brustkorb auftritt.
Weiterlesen →Innere MedizinHashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto-Thyreoiditis: die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.