Hyperstimulation der Ovarien (Ovarielles Überstimulationssyndrom)
Die Hyperstimulation der Ovarien, medizinisch auch als ovarielles Überstimulationssyndrom bezeichnet, ist eine unerwünschte, überschießende Reaktion der Eierstöcke auf eine hormonelle Behandlung, wie sie im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung, insbesondere vor einer künstlichen Befruchtung, zur gezielten Heranreifung mehrerer Eizellen eingesetzt wird. Bei dieser überschießenden Reaktion reagieren die Eierstöcke deutlich stärker als beabsichtigt auf die verabreichten Hormone, wodurch sie sich erheblich vergrößern sowie vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Bauchraum sowie, seltener, den Brustkorb austritt. Während die überwiegende Mehrheit der betroffenen Frauen nur eine milde bis mäßige Ausprägung dieser Reaktion entwickelt, kann eine schwere Verlaufsform mit erheblichen Flüssigkeitsverschiebungen sowie Blutgerinnungsstörungen einhergehen, die eine stationäre, engmaschige Überwachung erfordert.
Ursachen
Die Hyperstimulation der Ovarien entsteht durch eine überschießende Reaktion der Eierstöcke auf die im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung verabreichten, follikelstimulierenden Hormone, die normalerweise das gleichzeitige Heranreifen mehrerer Eizellen fördern sollen. Ein besonders hoher Ausgangswert bestimmter, die Eizellreserve anzeigender Hormone, ein jüngeres Lebensalter, ein niedriges Körpergewicht sowie das Vorliegen eines polyzystischen Ovarialsyndroms erhöhen das Risiko für die Entwicklung dieser überschießenden Reaktion erheblich. Eine bereits eingetretene Schwangerschaft nach der hormonellen Behandlung kann die Beschwerden durch die zusätzliche, körpereigene Hormonproduktion des sich entwickelnden Embryos weiter verstärken sowie verlängern.
Symptome
Die Hyperstimulation der Ovarien äußert sich in ihrer milden Form durch ein Spannungsgefühl sowie leichte Schmerzen im Unterbauch sowie eine leichte Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen. Bei einer mäßigen bis schweren Verlaufsform kommen ausgeprägte Übelkeit, Erbrechen, eine deutliche Zunahme des Bauchumfangs durch eine erhebliche Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum sowie Atemnot durch eine mögliche Beteiligung des Brustkorbs hinzu. Bei der schwersten Verlaufsform können eine ausgeprägte Verminderung der Urinausscheidung, eine Verdickung des Blutes mit erhöhtem Risiko für Blutgerinnsel sowie ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose der Hyperstimulation der Ovarien wird durch eine körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung, die die deutlich vergrößerten Eierstöcke sowie eine mögliche Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum darstellt, sowie durch eine Blutuntersuchung gestellt, die das Ausmaß der Blutverdickung sowie mögliche Nieren- oder Leberfunktionsstörungen erfasst. Eine sorgfältige Einteilung des Schweregrads anhand der klinischen Beschwerden sowie der erhobenen Befunde ist für die Wahl der geeigneten Behandlungsintensität sowie die Entscheidung über eine mögliche stationäre Aufnahme entscheidend.
Behandlung
Die Behandlung der milden bis mäßigen Hyperstimulation der Ovarien erfolgt ambulant mittels ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Schmerzlinderung sowie körperlicher Schonung, wobei eine engmaschige ärztliche Verlaufskontrolle empfohlen wird. Bei einer schweren Verlaufsform ist eine stationäre Aufnahme mit intravenöser Flüssigkeitsgabe, einer vorbeugenden, blutverdünnenden Behandlung zur Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie gegebenenfalls einer Entlastungspunktion der Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum notwendig. Eine besonders sorgfältige Überwachung der Nierenfunktion sowie des Flüssigkeitshaushalts ist während der gesamten Behandlungsdauer der schweren Verlaufsform unerlässlich.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Hyperstimulation der Ovarien ist bei der überwiegenden Mehrheit der Frauen mit einer milden bis mäßigen Ausprägung sehr gut, wobei sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage bis Wochen von selbst zurückbilden, sobald der hormonelle Reiz nachlässt. Bei einer eingetretenen Schwangerschaft können sich die Beschwerden durch die fortgesetzte körpereigene Hormonproduktion über einen längeren Zeitraum hinziehen. Eine schwere Verlaufsform ist mit einem relevanten Risiko für ernste Komplikationen, insbesondere Blutgerinnsel sowie ein Nierenversagen, verbunden, weshalb bei entsprechenden Warnzeichen unverzüglich ärztliche Hilfe aufgesucht werden sollte.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hyperstimulation der Ovarien (Ovarielles Überstimulationssyndrom): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
In welchem Zusammenhang tritt die Hyperstimulation auf?
Im Rahmen einer hormonellen Kinderwunschbehandlung vor einer künstlichen Befruchtung.
Wer trägt ein erhöhtes Risiko?
Jüngere Frauen, Frauen mit niedrigem Körpergewicht sowie Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom.
Was verstärkt die Beschwerden zusätzlich?
Eine bereits eingetretene Schwangerschaft durch die zusätzliche körpereigene Hormonproduktion.
Welche Komplikation droht bei schwerem Verlauf?
Eine Verdickung des Blutes mit erhöhtem Risiko für Blutgerinnsel sowie ein Nierenversagen.
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