Hypersplenismus
Der Hypersplenismus bezeichnet einen Zustand übermäßiger Aktivität der Milz, bei dem das normalerweise für den kontrollierten Abbau alter sowie geschädigter Blutzellen zuständige Organ diese Funktion in übersteigertem Ausmaß ausübt, sodass vermehrt auch gesunde rote sowie weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen aus dem Blutkreislauf entfernt werden. Diese übersteigerte Milzfunktion tritt praktisch immer im Zusammenhang mit einer bereits bestehenden, meist deutlichen Vergrößerung der Milz auf, die wiederum durch zahlreiche verschiedene Grunderkrankungen, insbesondere Lebererkrankungen mit erhöhtem Druck im Pfortadersystem, verursacht werden kann. Der Hypersplenismus äußert sich durch einen Mangel an einer oder mehreren Blutzellreihen, der je nach betroffener Zellreihe zu unterschiedlichen Beschwerden sowie Komplikationen führen kann.
Ursachen
Der Hypersplenismus entsteht praktisch immer als Folge einer bereits bestehenden Vergrößerung der Milz, die durch zahlreiche unterschiedliche Grunderkrankungen verursacht werden kann, wobei Lebererkrankungen mit einer damit verbundenen Erhöhung des Blutdrucks im Pfortadersystem, insbesondere eine fortgeschrittene Leberzirrhose, zu den häufigsten Ursachen zählen. Weitere wichtige Ursachen umfassen bestimmte Bluterkrankungen, insbesondere solche mit vermehrter Blutzellproduktion oder -zerstörung, sowie chronische Infektionskrankheiten oder Autoimmunerkrankungen, die zu einer entzündlichen Vergrößerung der Milz führen können. Die vergrößerte Milz filtert bei ihrer übersteigerten Aktivität vermehrt auch normale, gesunde Blutzellen aus dem Blutkreislauf heraus.
Symptome
Der Hypersplenismus verursacht in erster Linie Beschwerden, die durch den daraus resultierenden Mangel an Blutzellen bedingt sind, wobei ein Mangel an roten Blutkörperchen zu Müdigkeit, Blässe sowie einer verminderten Leistungsfähigkeit führt, ein Mangel an weißen Blutkörperchen die Anfälligkeit für Infektionen erhöht sowie ein Mangel an Blutplättchen eine erhöhte Blutungsneigung mit vermehrten blauen Flecken sowie Nasenbluten verursachen kann. Zusätzlich verursacht die zugrunde liegende Milzvergrößerung häufig ein Druck- oder Völlegefühl im linken Oberbauch. Die genaue Ausprägung der Beschwerden hängt davon ab, welche der drei Blutzellreihen in welchem Ausmaß betroffen ist.
Diagnostik
Die Diagnose des Hypersplenismus wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, die einen Mangel an einer oder mehreren Blutzellreihen bei gleichzeitig normaler oder gesteigerter Produktion dieser Zellen im Knochenmark zeigt, sowie durch eine Bildgebung mittels Ultraschall, die die zugrunde liegende Vergrößerung der Milz bestätigt. Eine gezielte Abklärung der zugrunde liegenden Ursache der Milzvergrößerung, etwa mittels weiterführender Blutuntersuchungen, einer Leberfunktionsprüfung oder in ausgewählten Fällen einer Knochenmarkuntersuchung, ist für die weitere Behandlungsplanung von entscheidender Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung des Hypersplenismus richtet sich vorrangig nach der zugrunde liegenden Ursache der Milzvergrößerung, wobei eine erfolgreiche Behandlung dieser Grunderkrankung häufig auch zu einer Besserung des Hypersplenismus führt. Bei einem ausgeprägten, durch die Grunderkrankung allein nicht ausreichend beherrschbaren Mangel an Blutzellen mit relevanten Beschwerden oder Komplikationen kann eine operative Entfernung der Milz in Betracht gezogen werden, die den übermäßigen Blutzellabbau zuverlässig beendet. Diese Entscheidung wird angesichts der wichtigen Rolle der Milz für die Immunabwehr sowie der damit verbundenen Risiken sorgfältig sowie individuell abgewogen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Hypersplenismus hängt entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache der Milzvergrößerung ab, wobei eine erfolgreich behandelbare Grunderkrankung häufig auch zu einer deutlichen Besserung des Blutzellmangels führt. Bei einer chronisch fortschreitenden Grunderkrankung, etwa einer fortgeschrittenen Leberzirrhose, kann der Hypersplenismus dagegen dauerhaft bestehen bleiben oder sich im Verlauf weiter verschlechtern. Nach einer operativen Entfernung der Milz normalisieren sich die Blutzellwerte in aller Regel rasch, wobei die betroffene Person aufgrund der fehlenden Milz lebenslang ein erhöhtes Risiko für bestimmte, schwer verlaufende Infektionen trägt sowie entsprechende Impfungen sowie Vorsichtsmaßnahmen beachten sollte.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hypersplenismus: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch entsteht der Hypersplenismus meist?
Durch eine bereits bestehende Vergrößerung der Milz, häufig infolge einer Lebererkrankung mit erhöhtem Pfortaderdruck.
Welche drei Blutzellreihen können betroffen sein?
Rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen.
Wann wird eine Entfernung der Milz erwogen?
Bei einem ausgeprägten, durch die Grunderkrankung allein nicht beherrschbaren Blutzellmangel mit relevanten Beschwerden.
Welches Risiko besteht nach einer Milzentfernung?
Ein lebenslang erhöhtes Risiko für bestimmte, schwer verlaufende Infektionen.
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