Hymenalatresie (Hymen imperforatus)
Die Hymenalatresie, medizinisch auch als Hymen imperforatus bezeichnet, beschreibt eine angeborene Fehlbildung, bei der das Jungfernhäutchen am Scheideneingang während der Embryonalentwicklung nicht die übliche, kleine Öffnung ausbildet, sondern die Scheide vollständig verschließt. Diese Fehlbildung wird bei der Geburt sowie im Kindesalter häufig nicht bemerkt, da sie vor Einsetzen der Menstruation keine relevanten Beschwerden verursacht, sondern erst in der Pubertät auffällig wird, wenn sich hinter dem verschlossenen Jungfernhäutchen wiederholt Menstruationsblut ansammelt, ohne nach außen abfließen zu können. Eine rechtzeitige Diagnosestellung sowie Behandlung ist von Bedeutung, um eine anhaltende Ansammlung von Menstruationsblut sowie damit verbundene Komplikationen zu vermeiden.
Ursachen
Die Hymenalatresie entsteht durch eine Störung der normalen Entwicklung des Jungfernhäutchens während der frühen Embryonalentwicklung, bei der sich die übliche, kleine zentrale Öffnung nicht regelrecht ausbildet, sodass das Gewebe des Jungfernhäutchens den Scheideneingang vollständig verschließt. Die genaue Ursache dieser Entwicklungsstörung ist in den meisten Fällen nicht bekannt, wobei sie überwiegend isoliert, ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache sowie ohne familiäre Häufung auftritt. Eine gleichzeitig bestehende Fehlbildung anderer Teile der weiblichen Geschlechtsorgane liegt bei der isolierten Hymenalatresie in aller Regel nicht vor.
Symptome
Die Hymenalatresie verursacht vor Einsetzen der Menstruation in aller Regel keine Beschwerden, sodass sie im Kindesalter häufig unbemerkt bleibt. Mit Einsetzen der Pubertät sowie der ersten Menstruationsblutungen kommt es zu einer zunehmenden Ansammlung von Menstruationsblut hinter dem verschlossenen Jungfernhäutchen, was sich durch monatlich wiederkehrende, krampfartige Unterbauchschmerzen bei gleichzeitig ausbleibender äußerer Menstruationsblutung äußert. Bei einer über mehrere Zyklen fortschreitenden Ansammlung kann sich zusätzlich eine tastbare, im Unterbauch sichtbare Vorwölbung sowie Beschwerden beim Wasserlassen oder bei der Stuhlentleerung durch den zunehmenden Druck auf benachbarte Organe entwickeln.
Diagnostik
Die Diagnose der Hymenalatresie wird durch eine körperliche Untersuchung gestellt, bei der das vollständig verschlossene, häufig bläulich durchschimmernde Jungfernhäutchen sichtbar wird, wobei die bläuliche Verfärbung durch das dahinter angesammelte, ältere Menstruationsblut verursacht wird. Eine Ultraschalluntersuchung des Beckens bestätigt die Diagnose zusätzlich, indem sie die Ansammlung von Blut in der Scheide sowie gegebenenfalls in der Gebärmutter sichtbar macht. Eine sorgfältige Befragung nach monatlich wiederkehrenden Unterbauchschmerzen bei bislang ausgebliebener Menstruationsblutung ist für die Verdachtsdiagnose bei jugendlichen Mädchen von erheblicher Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung der Hymenalatresie besteht in einem kleinen, ambulant durchführbaren operativen Eingriff, bei dem das verschlossene Jungfernhäutchen mittels eines kleinen, kreuzförmigen Schnitts eröffnet wird, wodurch das angesammelte Menstruationsblut abfließen kann sowie ein dauerhafter, ausreichend weiter Abfluss für künftige Menstruationsblutungen geschaffen wird. Dieser Eingriff wird in aller Regel in einer kurzen Narkose durchgeführt sowie ist mit einer sehr kurzen Erholungszeit verbunden. Nach dem Eingriff ist eine normale Menstruation sowie eine spätere, normale sexuelle Aktivität ohne Einschränkung möglich.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Hymenalatresie ist nach der operativen Eröffnung sehr gut, wobei die betroffenen Mädchen nach dem Eingriff eine normale Menstruation sowie eine unbeeinträchtigte weitere körperliche sowie sexuelle Entwicklung erreichen. Eine über mehrere Monate unbehandelt fortbestehende Ansammlung von Menstruationsblut kann in seltenen Fällen zu einer Ausdehnung bis in die Gebärmutter sowie die Eileiter führen, was das Risiko für spätere Fruchtbarkeitsprobleme geringfügig erhöhen kann, weshalb eine zeitnahe Diagnosestellung sowie Behandlung nach dem Auftreten der charakteristischen Beschwerden empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hymenalatresie (Hymen imperforatus): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wann wird die Hymenalatresie meist auffällig?
In der Pubertät, wenn trotz monatlich wiederkehrender Unterbauchschmerzen keine äußere Menstruationsblutung auftritt.
Woran ist das verschlossene Jungfernhäutchen bei der Untersuchung erkennbar?
An seiner charakteristischen, bläulichen Durchschimmerung durch das dahinter angesammelte Blut.
Wie wird die Hymenalatresie behandelt?
Durch einen kleinen, ambulant durchführbaren operativen Eingriff zur Eröffnung des Jungfernhäutchens.
Ist nach der Behandlung eine normale Entwicklung möglich?
Ja, nach dem Eingriff sind eine normale Menstruation sowie eine unbeeinträchtigte Entwicklung möglich.
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