Polydaktylie
Die Polydaktylie bezeichnet eine angeborene Fehlbildung, bei der ein Kind mit mehr als der üblichen Anzahl von fünf Fingern oder Zehen an einer Hand oder einem Fuß zur Welt kommt, wobei der überzählige Finger oder die überzählige Zehe in unterschiedlichem Ausmaß ausgebildet sein kann, von einem kleinen, funktionslosen Hautanhängsel bis hin zu einem vollständig entwickelten, mit eigenem Knochen sowie eigenen Sehnen ausgestatteten zusätzlichen Finger. Diese Fehlbildung zählt zu den häufigsten angeborenen Handfehlbildungen sowie kann sowohl isoliert als auch im Rahmen bestimmter, seltenerer genetischer Syndrome auftreten. Je nach genauer Lokalisation des überzähligen Fingers sowie dem Ausmaß seiner Entwicklung wird zwischen mehreren Unterformen unterschieden, die für die weitere Behandlungsplanung von Bedeutung sind.
Ursachen
Die Polydaktylie entsteht durch eine Störung der normalen Entwicklung der Hand- oder Fußanlage während der frühen Embryonalentwicklung, bei der sich statt der üblichen fünf Finger- oder Zehenstrahlen ein zusätzlicher, überzähliger Strahl anlegt. Diese Fehlbildung tritt bei einem Teil der betroffenen Kinder isoliert sowie ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache auf, während sie bei einem anderen Teil im Rahmen eines erblichen, genau definierten genetischen Syndroms mit weiteren Begleitfehlbildungen auftritt. Eine familiäre Häufung wird bei bestimmten Unterformen der Polydaktylie beobachtet, was auf eine mögliche erbliche Komponente hinweist.
Symptome
Die Polydaktylie äußert sich durch einen bereits bei der Geburt sichtbaren, überzähligen Finger oder eine überzählige Zehe, die entweder an der Kleinfingerseite, an der Daumenseite oder, seltener, zwischen den regulären Fingern angelegt sein kann. Das Ausmaß der Entwicklung des überzähligen Fingers reicht von einem kleinen, über einen schmalen Hautstiel verbundenen, funktionslosen Anhängsel bis zu einem vollständig entwickelten, funktionsfähigen zusätzlichen Finger mit eigenem Knochen sowie eigenen Sehnen. Über die reine Fehlbildung hinaus verursacht die Polydaktylie bei den meisten betroffenen Kindern keine funktionellen Beschwerden, kann jedoch abhängig vom Ausmaß eine kosmetische sowie psychosoziale Belastung darstellen.
Diagnostik
Die Diagnose der Polydaktylie wird bereits durch eine körperliche Untersuchung des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt gestellt, wobei eine Röntgenaufnahme der betroffenen Hand oder des betroffenen Fußes das genaue Ausmaß der knöchernen Beteiligung des überzähligen Fingers sowie dessen Verbindung zu den umliegenden Strukturen zusätzlich darstellen kann. Diese bildgebende Untersuchung ist für die genaue operative Planung von erheblicher Bedeutung. Bei Verdacht auf ein zugrunde liegendes genetisches Syndrom aufgrund weiterer Begleitfehlbildungen wird eine gezielte genetische Untersuchung sowie eine umfassende körperliche Untersuchung auf mögliche weitere Fehlbildungen empfohlen.
Behandlung
Die Behandlung der Polydaktylie richtet sich nach dem Ausmaß der Entwicklung des überzähligen Fingers, wobei ein kleines, über einen schmalen Hautstiel verbundenes Anhängsel bereits im Säuglingsalter durch eine einfache Abbindung oder operative Entfernung beseitigt werden kann. Bei einem vollständig entwickelten, mit eigenem Knochen ausgestatteten überzähligen Finger ist eine sorgfältig geplante, meist im Kleinkindalter durchgeführte operative Entfernung notwendig, die darauf abzielt, eine möglichst gute Funktion sowie ein möglichst normales Erscheinungsbild der verbleibenden Hand zu erreichen. Eine anschließende physiotherapeutische Nachbehandlung unterstützt die Wiederherstellung einer optimalen Handfunktion zusätzlich.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Polydaktylie ist bei einer fachgerecht durchgeführten operativen Behandlung sehr gut, wobei die überwiegende Mehrheit der betroffenen Kinder nach dem Eingriff eine normale oder nahezu normale Handfunktion sowie ein kosmetisch zufriedenstellendes Erscheinungsbild erreicht. Eine unbehandelt belassene, funktionell bedeutsame Polydaktylie kann dagegen im Verlauf des Wachstums zu funktionellen Einschränkungen sowie einer zunehmenden psychosozialen Belastung des betroffenen Kindes führen. Eine frühzeitige, spezialisierte handchirurgische Beratung wird bei jeder Form der Polydaktylie empfohlen, um den optimalen Zeitpunkt sowie die geeignete Methode der Behandlung individuell festzulegen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Polydaktylie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist die Polydaktylie?
Eine angeborene Fehlbildung mit einem oder mehreren überzähligen Fingern oder Zehen.
Wie unterschiedlich kann der überzählige Finger ausgebildet sein?
Von einem kleinen, funktionslosen Hautanhängsel bis zu einem vollständig entwickelten Finger mit eigenem Knochen.
Wie wird ein kleines Hautanhängsel meist behandelt?
Durch eine einfache Abbindung oder operative Entfernung bereits im Säuglingsalter.
Kann die Polydaktylie Teil eines größeren Syndroms sein?
Ja, bei einem Teil der Kinder tritt sie im Rahmen eines genetischen Syndroms mit weiteren Fehlbildungen auf.
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