Osteomyelofibrose (Primäre Myelofibrose)
Die Osteomyelofibrose, auch als primäre Myelofibrose bezeichnet, ist eine seltene, langsam über Jahre fortschreitende Erkrankung des Knochenmarks, bei der eine zunehmende bindegewebige Vernarbung des Knochenmarks die dort normalerweise stattfindende Blutbildung zunehmend verdrängt. Diese Erkrankung zählt zur Gruppe der myeloproliferativen Neubildungen, bei denen eine fehlgeleitete Vermehrung bestimmter Blutstammzellen zugrunde liegt, wobei sich der Körper bei fortschreitender Vernarbung des Knochenmarks zunehmend gezwungen sieht, die Blutbildung ersatzweise in anderen Organen, insbesondere der Milz sowie der Leber, aufzunehmen, was zu einer charakteristischen, ausgeprägten Vergrößerung dieser Organe führt. Die Osteomyelofibrose verläuft über Jahre langsam fortschreitend sowie kann bei einem Teil der Betroffenen in eine akute Leukämie übergehen.
Ursachen
Die Osteomyelofibrose entsteht durch eine erworbene, nicht vererbbare genetische Veränderung einer einzelnen blutbildenden Stammzelle im Knochenmark, die daraufhin zu einer fehlgeleiteten Vermehrung bestimmter Blutzellvorläufer führt, welche wiederum eine übermäßige Bildung bindegewebiger Vernarbung im Knochenmark auslösen. Diese genetische Veränderung entsteht im Laufe des Lebens zufällig, wobei ein höheres Lebensalter den wichtigsten bekannten Risikofaktor für die Entstehung dieser Veränderung darstellt. Eine Osteomyelofibrose kann zudem als Folgezustand anderer, verwandter myeloproliferativer Erkrankungen, insbesondere der Polycythaemia vera oder der essentiellen Thrombozythämie, entstehen.
Symptome
Die Osteomyelofibrose äußert sich über lange Zeit häufig ohne relevante Beschwerden, wobei sich mit fortschreitender Erkrankung zunehmend Müdigkeit sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit durch die fortschreitende Blutarmut entwickeln. Ein Druck- oder Völlegefühl im linken Oberbauch durch die charakteristische, ausgeprägte Vergrößerung der Milz gehört zu den häufigsten sowie auffälligsten Symptomen. Nachtschweiß, ein ungewollter Gewichtsverlust sowie Knochenschmerzen können den fortschreitenden Krankheitsverlauf zusätzlich begleiten, wobei eine erhöhte Blutungsneigung sowie eine gesteigerte Infektanfälligkeit durch den zunehmenden Mangel funktionstüchtiger Blutzellen im fortgeschrittenen Stadium hinzukommen können.
Diagnostik
Die Diagnose der Osteomyelofibrose wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, die charakteristische Veränderungen der Blutzellen sowie häufig unreife, normalerweise nur im Knochenmark vorkommende Vorläuferzellen im peripheren Blut zeigt. Eine Knochenmarkbiopsie ist für die endgültige Diagnosesicherung unerlässlich, da sie die charakteristische, bindegewebige Vernarbung des Knochenmarks direkt nachweisen kann. Eine molekulargenetische Untersuchung auf bestimmte, für die Erkrankung typische genetische Veränderungen unterstützt die Diagnosestellung sowie die Einschätzung der Prognose zusätzlich.
Behandlung
Die Behandlung der Osteomyelofibrose richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil sowie den Beschwerden der betroffenen Person, wobei bei einer milden, beschwerdearmen Verlaufsform zunächst eine abwartende, regelmäßige Verlaufskontrolle ausreichend sein kann. Bei ausgeprägten Beschwerden, insbesondere einer stark vergrößerten Milz sowie deutlichen allgemeinen Krankheitszeichen, kommen gezielte, gegen bestimmte fehlgeleitete Signalwege gerichtete Medikamente zum Einsatz, die die Beschwerden sowie die Organvergrößerung deutlich lindern können. Bei jüngeren Betroffenen mit einem besonders ungünstigen Risikoprofil stellt eine Stammzelltransplantation die einzige, potenziell dauerhaft heilende Behandlungsoption dar.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Osteomyelofibrose ist sehr unterschiedlich sowie hängt maßgeblich vom individuellen Risikoprofil, dem Ausmaß der Blutbildstörung sowie dem Vorhandensein bestimmter, prognostisch bedeutsamer genetischer Veränderungen ab. Bei einem Teil der Betroffenen verläuft die Erkrankung über viele Jahre langsam fortschreitend mit einer insgesamt guten Lebensqualität, während sich bei einem anderen Teil ein rascherer, ungünstigerer Verlauf mit einem erhöhten Risiko für einen Übergang in eine akute Leukämie zeigt. Eine regelmäßige, engmaschige hämatologische Nachsorge ist für die frühzeitige Erkennung einer Verschlechterung sowie die rechtzeitige Anpassung der Behandlung von entscheidender Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Osteomyelofibrose (Primäre Myelofibrose): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was geschieht im Knochenmark bei dieser Erkrankung?
Eine zunehmende bindegewebige Vernarbung verdrängt die normale Blutbildung.
Warum vergrößert sich die Milz?
Weil der Körper die Blutbildung ersatzweise in Milz und Leber aufnimmt.
Welche Behandlungsoption kann dauerhaft heilen?
Bei jüngeren Betroffenen mit ungünstigem Risikoprofil eine Stammzelltransplantation.
In welche Erkrankung kann die Osteomyelofibrose übergehen?
In eine akute Leukämie.
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