Onchozerkose (Flussblindheit)
Die Onchozerkose, umgangssprachlich auch als Flussblindheit bezeichnet, ist eine durch den fadenförmigen Wurm Onchocerca volvulus verursachte Infektionskrankheit, die über den Stich infizierter Kriebelmücken übertragen wird, welche bevorzugt an schnell fließenden Gewässern in bestimmten Regionen Afrikas sowie in kleineren Gebieten Mittel- und Südamerikas sowie des Jemen vorkommen. Nach der Übertragung entwickeln sich die Wurmlarven im menschlichen Körper zu erwachsenen Würmern, die sich in knotigen Ansammlungen unter der Haut einnisten sowie über viele Jahre hinweg fortlaufend neue Larven freisetzen, die durch die Haut sowie das Auge wandern sowie dort eine chronische, entzündliche Gewebeschädigung verursachen. Ohne rechtzeitige Behandlung kann diese anhaltende Entzündung des Auges über Jahre hinweg zu einer fortschreitenden, irreversiblen Erblindung führen, weshalb die Onchozerkose zu den weltweit häufigsten infektionsbedingten Erblindungsursachen zählt.
Ursachen
Die Onchozerkose entsteht durch die Übertragung von Wurmlarven über den Stich infizierter Kriebelmücken, die sich bevorzugt an schnell fließenden, sauerstoffreichen Gewässern in bestimmten Regionen Afrikas sowie in kleineren Gebieten Amerikas sowie des Jemen entwickeln sowie dort in großer Zahl vorkommen. Eine wiederholte, über Jahre andauernde Exposition gegenüber infizierten Kriebelmücken, wie sie bei langjährigen Bewohnern von Endemiegebieten in Flussnähe typisch ist, führt zu einer zunehmenden Wurmlast sowie damit zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung schwerer, insbesondere die Augen betreffender Krankheitsfolgen. Menschen, die in unmittelbarer Nähe schnell fließender Gewässer leben oder arbeiten, sind einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt.
Symptome
Die Onchozerkose äußert sich durch einen ausgeprägten, oft quälenden Juckreiz der Haut, der durch die absterbenden Larven im Hautgewebe verursacht wird, sowie durch charakteristische, unter der Haut tastbare, schmerzlose Knoten, in denen sich die erwachsenen Würmer angesiedelt haben. Im weiteren Verlauf können sich chronische Hautveränderungen mit einer Verdickung, Vernarbung sowie fleckigen Entfärbung der Haut entwickeln. Bei einer Wanderung der Larven in das Auge kommt es zu einer chronischen Entzündung verschiedener Augenstrukturen, die sich zunächst durch Augenrötung sowie Lichtempfindlichkeit äußert sowie unbehandelt über Jahre hinweg zu einer fortschreitenden, dauerhaften Erblindung führen kann.
Diagnostik
Die Diagnose der Onchozerkose wird durch eine mikroskopische Untersuchung kleiner, oberflächlicher Hautproben gestellt, in denen die aus dem Gewebe austretenden Larven direkt nachgewiesen werden können. Eine augenärztliche Untersuchung mittels Spaltlampe kann bei Beteiligung des Auges die charakteristischen, sich bewegenden Larven sowie die entzündlichen Veränderungen direkt sichtbar machen. Ein Nachweis spezifischer Antikörper im Blut sowie eine Untersuchung der tastbaren Hautknoten können die Diagnostik zusätzlich ergänzen, wobei eine sorgfältige Reiseanamnese mit gezielter Frage nach einem Aufenthalt in flussnahen Endemiegebieten für die Verdachtsdiagnose entscheidend ist.
Behandlung
Die Behandlung der Onchozerkose erfolgt mittels eines spezifischen, gegen die Larven wirksamen Medikaments, das in Endemiegebieten häufig im Rahmen wiederholter, über mehrere Jahre durchgeführter Massenbehandlungskampagnen verabreicht wird, um die Wurmlast in der Bevölkerung nachhaltig zu senken sowie das Erblindungsrisiko zu vermindern. Da dieses Medikament überwiegend die Larven, jedoch nicht zuverlässig die langlebigen erwachsenen Würmer abtötet, sind wiederholte Behandlungen im Abstand von mehreren Monaten bis Jahren notwendig. Bei bereits eingetretener Augenbeteiligung wird die Behandlung durch eine begleitende augenärztliche Betreuung ergänzt, um die entzündliche Schädigung des Auges möglichst gering zu halten.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Onchozerkose ist bei einer frühzeitig eingeleiteten sowie konsequent über Jahre fortgeführten Behandlung günstig, wobei eine weitere Verschlechterung der Augenbeteiligung sowie eine Fortschreiten zur Erblindung in den meisten Fällen verhindert werden kann. Eine bereits eingetretene, fortgeschrittene Schädigung des Auges bildet sich jedoch trotz erfolgreicher Behandlung der Wurmlast in aller Regel nicht mehr zurück, weshalb eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung sowie Behandlungseinleitung von entscheidender Bedeutung ist. Ein wirksamer Schutz vor Kriebelmückenstichen in Endemiegebieten sowie die konsequente Teilnahme an Massenbehandlungsprogrammen stellen die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung dar.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Onchozerkose (Flussblindheit): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch wird die Onchozerkose übertragen?
Durch den Stich infizierter Kriebelmücken, die sich bevorzugt an schnell fließenden Gewässern entwickeln.
Warum wird die Erkrankung auch Flussblindheit genannt?
Weil sie unbehandelt über Jahre zu einer fortschreitenden Erblindung führen kann und vor allem an Flüssen übertragen wird.
Was verursacht den charakteristischen Juckreiz?
Die im Hautgewebe absterbenden Larven des Wurms.
Kann eine bereits eingetretene Augenschädigung rückgängig gemacht werden?
Nein, eine bereits fortgeschrittene Schädigung des Auges bildet sich trotz erfolgreicher Behandlung meist nicht mehr zurück.
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