Klumpke-Lähmung (Untere Plexuslähmung)
Die Klumpke-Lähmung, auch als untere Plexuslähmung bezeichnet, ist eine seltenere Geburtsverletzung, bei der die unteren Nervenwurzeln des Armnervengeflechts während des Geburtsvorgangs überdehnt oder verletzt werden, was im Unterschied zur deutlich häufigeren Erb-Lähmung vorrangig zu einer Lähmung der Hand- sowie Fingermuskulatur führt, während die Schulter- sowie Oberarmfunktion in aller Regel weitgehend erhalten bleibt. Diese Verletzung entsteht typischerweise, wenn während der Geburt eine erhebliche Zugkraft auf den bereits ausgestreckten Arm des Kindes einwirkt, wie es insbesondere bei einer Beckenendlage mit vorangehendem, erhobenem Arm auftreten kann. Die Klumpke-Lähmung ist im Vergleich zur Erb-Lähmung häufiger mit einer schwereren, langwierigeren Erholung verbunden, da die betroffenen unteren Nervenwurzeln anatomisch empfindlicher auf eine Überdehnung reagieren.
Ursachen
Die Klumpke-Lähmung entsteht durch eine Überdehnung oder Zerrung der unteren Nervenwurzeln des Armnervengeflechts während der Geburt, die typischerweise auftritt, wenn eine erhebliche Zugkraft auf den bereits über den Kopf erhobenen oder ausgestreckten Arm des Kindes einwirkt, wie es insbesondere bei einer Beckenendlage mit vorangehendem, erhobenem Arm oder bei einer erschwerten Entwicklung des nachfolgenden Kopfes auftreten kann. Ein hohes Geburtsgewicht des Kindes sowie der Einsatz geburtshilflicher Manöver bei einer komplizierten Geburt erhöhen das Risiko für eine Klumpke-Lähmung zusätzlich.
Symptome
Die Klumpke-Lähmung äußert sich durch eine schlaffe Lähmung der Hand- sowie Fingermuskulatur mit einer charakteristischen, krallenartigen Fehlstellung der Finger, während die Schulter- sowie Oberarmfunktion sowie der Greifreflex der Hand in aller Regel weitgehend erhalten bleiben, was einen wichtigen Unterschied zur Erb-Lähmung darstellt. Bei einer gleichzeitigen Schädigung bestimmter, in unmittelbarer Nähe verlaufender Nervenfasern des sympathischen Nervensystems kann zusätzlich ein sogenanntes Horner-Syndrom mit einer herabhängenden Oberlid sowie einer verengten Pupille auf der betroffenen Seite auftreten, das auf eine besonders ausgeprägte Nervenschädigung hinweist.
Diagnostik
Die Diagnose der Klumpke-Lähmung wird durch eine körperliche sowie neurologische Untersuchung des Neugeborenen gestellt, bei der die charakteristische Lähmung sowie Fehlstellung der Hand sowie Finger bei erhaltener Schulter- sowie Oberarmfunktion festgestellt werden. Eine gezielte Untersuchung auf Anzeichen eines begleitenden Horner-Syndroms ist von erheblicher Bedeutung, da dessen Vorhandensein auf eine schwerere, tiefer gelegene Nervenschädigung hinweist sowie mit einer ungünstigeren Prognose verbunden ist. Bei einem über die ersten Lebenswochen anhaltenden, unveränderten Beschwerdebild kann eine spezialisierte elektrophysiologische Untersuchung sowie eine Magnetresonanztomografie des Armnervengeflechts das genaue Ausmaß der Nervenschädigung zusätzlich einschätzen.
Behandlung
Die Behandlung der Klumpke-Lähmung besteht, ähnlich wie bei der Erb-Lähmung, zunächst in einer abwartenden, engmaschig kontrollierten Beobachtung, wobei eine frühzeitig, bereits innerhalb der ersten Lebenswochen begonnene physiotherapeutische Behandlung mit sanften, passiven Bewegungsübungen der betroffenen Hand sowie Finger die Erholung unterstützt sowie einer Versteifung der kleinen Handgelenke vorbeugt. Angesichts der im Vergleich zur Erb-Lähmung häufig schwereren sowie langwierigeren Nervenschädigung wird bei einer über mehrere Monate anhaltenden, ausbleibenden Erholung frühzeitiger eine spezialisierte, mikrochirurgische Untersuchung sowie gegebenenfalls eine operative Rekonstruktion der geschädigten Nervenwurzeln in einem darauf spezialisierten Zentrum in Betracht gezogen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Klumpke-Lähmung ist im Vergleich zur Erb-Lähmung häufig weniger günstig, da die tiefer gelegenen, unteren Nervenwurzeln anatomisch empfindlicher auf eine Überdehnung reagieren sowie sich schwerer sowie langsamer erholen. Ein Teil der betroffenen Kinder erreicht dennoch innerhalb der ersten Lebensmonate eine deutliche Besserung der Handfunktion, während bei einem anderen Teil eine bleibende, funktionell bedeutsame Einschränkung der feinmotorischen Handfunktion zurückbleiben kann. Das Vorhandensein eines begleitenden Horner-Syndroms gilt als ungünstiges prognostisches Zeichen, das auf eine schwerere zugrunde liegende Nervenschädigung hinweist. Eine frühzeitige, konsequente physiotherapeutische Behandlung sowie eine engmaschige Anbindung an ein spezialisiertes Zentrum sind für eine bestmögliche funktionelle Erholung von entscheidender Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Klumpke-Lähmung (Untere Plexuslähmung): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was unterscheidet die Klumpke-Lähmung von der Erb-Lähmung?
Sie betrifft vorrangig Hand und Finger, während Schulter- und Oberarmfunktion meist erhalten bleiben.
Was ist das Horner-Syndrom in diesem Zusammenhang?
Eine begleitende Schädigung sympathischer Nervenfasern mit herabhängendem Oberlid sowie verengter Pupille, ein Zeichen für eine schwerere Nervenschädigung.
Wie ist die Prognose im Vergleich zur Erb-Lähmung?
Häufig weniger günstig, da die betroffenen Nervenwurzeln empfindlicher reagieren und sich schwerer erholen.
Was ist eine wichtige frühe Behandlungsmaßnahme?
Eine frühzeitig begonnene physiotherapeutische Behandlung mit sanften, passiven Bewegungsübungen.
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