Geburtshindernis durch Anomalie des mütterlichen Beckens
Ein Geburtshindernis durch Anomalie des mütterlichen Beckens liegt vor, wenn eine Formveränderung oder Verengung des knöchernen Beckens der Mutter den natürlichen Geburtsweg für das Kind einschränkt oder unmöglich macht. Das mütterliche Becken bildet den knöchernen Rahmen, durch den das Kind während der Geburt hindurchtreten muss, und seine Form sowie Größe sind daher entscheidend für den Verlauf einer vaginalen Geburt. Liegt eine relevante Abweichung von der üblichen Beckenform oder -größe vor, kann dies den Geburtsfortschritt erheblich beeinträchtigen und die Notwendigkeit einer operativen Entbindung nach sich ziehen.
Ursachen
Eine Anomalie des mütterlichen Beckens kann angeboren/">angeboren sein, etwa im Rahmen einer von Geburt an bestehenden, ungewöhnlichen Beckenform. Häufiger entsteht eine relevante Beckenveränderung jedoch im Laufe des Lebens, etwa durch eine zurückliegende Verletzung mit Beteiligung des Beckenknochens, durch bestimmte Erkrankungen des Skelettsystems, die die Knochenform beeinflussen, oder durch eine ausgeprägte Fehlstellung der Wirbelsäule, die sich auf die Beckenform auswirken kann. Auch eine insgesamt sehr geringe Körpergröße kann mit einem entsprechend kleineren, für eine vaginale Geburt möglicherweise zu engen Becken einhergehen.
Symptome
Eine Beckenanomalie selbst verursacht außerhalb einer Geburtssituation meist keine eigenen, spezifischen Beschwerden und bleibt häufig bis zur Geburt unbemerkt, sofern keine vorausgegangene Untersuchung diesen Befund bereits aufgedeckt hat. Während der Geburt zeigt sich das Vorliegen eines Geburtshindernisses durch diese Ursache anhand eines fehlenden oder deutlich verzögerten Fortschritts trotz kräftiger und regelmäßiger Wehentätigkeit, wobei das kindliche Köpfchen trotz guter mütterlicher Mitarbeit nicht ausreichend in den Geburtskanal eintreten oder tiefer treten kann.
Diagnostik
Bei bekannten Risikofaktoren oder auffälligen Vorbefunden kann bereits vor der Geburt eine Beurteilung der Beckenform und -größe erfolgen, etwa durch eine klinische Untersuchung oder in ausgewählten Fällen durch eine bildgebende Vermessung des Beckens. Häufiger wird ein bedeutsames Missverhältnis zwischen Kind und Becken jedoch erst während der Geburt selbst deutlich, wenn der Geburtsfortschritt trotz kräftiger Wehentätigkeit ausbleibt. Die geburtshilfliche Untersuchung während der Geburt liefert dabei wichtige Informationen über die Position und das Tiefertreten des kindlichen Kopfes im Verhältnis zum mütterlichen Becken.
Behandlung
Ist bereits vor der Geburt eine relevante Beckenanomalie bekannt, die eine vaginale Geburt als unsicher erscheinen lässt, wird in Abstimmung mit der werdenden Mutter meist eine geplante Schnittentbindung vorgesehen. Zeigt sich das Geburtshindernis erst während einer bereits begonnenen Geburt durch einen ausbleibenden Fortschritt, wird die Geburt in der Regel durch eine Schnittentbindung beendet, da eine instrumentelle vaginale Entbindung bei einem echten Missverhältnis zwischen Kind und Becken nicht die geeignete Lösung darstellt und zusätzliche Risiken bergen würde.
Verlauf und Prognose
Wird eine relevante Beckenanomalie rechtzeitig erkannt und die Geburt entsprechend durch eine Schnittentbindung beendet, ist die Prognose für Mutter und Kind in aller Regel gut. Eine unerkannte, ausgeprägte Beckenanomalie mit anhaltendem Geburtsstillstand kann hingegen zu einer erheblichen Belastung für Mutter und Kind führen, weshalb eine aufmerksame Überwachung des Geburtsfortschritts während der gesamten Geburt von großer Bedeutung ist. Bei zukünftigen Schwangerschaften wird die bekannte Beckenanomalie bei der Planung des Geburtsmodus von vornherein berücksichtigt.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Geburt: Ablauf, Phasen und Betreuung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Bemerkt eine Frau eine Beckenanomalie normalerweise selbst?
In der Regel nicht, da eine Beckenanomalie außerhalb einer Geburtssituation meist keine eigenen, spezifischen Beschwerden verursacht und häufig erst während der Geburt auffällt.
Woran erkennt man während der Geburt ein solches Geburtshindernis?
An einem fehlenden oder deutlich verzögerten Geburtsfortschritt trotz kräftiger und regelmäßiger Wehentätigkeit und guter mütterlicher Mitarbeit.
Wie wird die Geburt bei einer bekannten Beckenanomalie geplant?
In Abstimmung mit der werdenden Mutter wird meist eine geplante Schnittentbindung vorgesehen, um Risiken einer erschwerten vaginalen Geburt zu vermeiden.
Warum kommt bei diesem Geburtshindernis meist keine instrumentelle Entbindung infrage?
Bei einem echten Missverhältnis zwischen Kind und Becken ist eine instrumentelle vaginale Entbindung nicht geeignet und würde zusätzliche Risiken bergen, weshalb stattdessen eine Schnittentbindung erfolgt.
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