Choledochuszyste
Die Choledochuszyste bezeichnet eine seltene, angeborene sackartige oder zylindrische Erweiterung eines Abschnitts der außerhalb der Leber gelegenen Gallengänge, die durch eine Störung der normalen Entwicklung der Gallenwege während der frühen Embryonalentwicklung entsteht. Diese Fehlbildung wird bei einem Teil der betroffenen Kinder bereits im Säuglingsalter durch die charakteristische Symptomtrias aus Bauchschmerzen, einer tastbaren Vorwölbung im rechten Oberbauch sowie einer Gelbfärbung der Haut entdeckt, während sie bei einem anderen Teil erst im Kindes- oder sogar Erwachsenenalter durch wiederkehrende, unspezifische Beschwerden auffällig wird. Da eine unbehandelt belassene Choledochuszyste im weiteren Leben mit einem deutlich erhöhten Risiko für die spätere Entwicklung eines bösartigen Tumors der Gallenwege verbunden ist, wird eine operative Entfernung der Zyste dringend empfohlen.
Ursachen
Die Choledochuszyste entsteht durch eine Störung der normalen Entwicklung der Gallenwege während der frühen Embryonalentwicklung, wobei eine fehlerhafte Mündung des Gallengangs in den Bauchspeicheldrüsengang als wahrscheinliche zugrunde liegende Ursache angesehen wird. Diese fehlerhafte Verbindung ermöglicht einen Rückfluss aggressiver Bauchspeicheldrüsensäfte in den Gallengang, wodurch dessen Wand über Zeit geschwächt sowie zunehmend erweitert wird. Die genaue Ursache dieser Entwicklungsstörung ist bislang nicht abschließend geklärt, wobei die Erkrankung bei Mädchen deutlich häufiger auftritt als bei Jungen sowie in bestimmten asiatischen Regionen gehäuft vorkommt.
Symptome
Die Choledochuszyste äußert sich durch die klassische, jedoch nur bei einem Teil der Betroffenen vollständig ausgeprägte Symptomtrias aus wiederkehrenden Schmerzen im rechten Oberbauch, einer bei der körperlichen Untersuchung tastbaren Vorwölbung sowie einer Gelbfärbung der Haut sowie der Augen durch eine Behinderung des normalen Galleabflusses. Bei Säuglingen kann sich die Erkrankung durch eine anhaltende Gelbsucht sowie eine unzureichende Gewichtszunahme äußern, während bei älteren Kindern sowie Erwachsenen häufig wiederkehrende, unspezifische Bauchschmerzen im Vordergrund stehen, die mitunter über lange Zeit fehlgedeutet werden. Eine begleitende Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann als Komplikation zusätzlich auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose der Choledochuszyste wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums gestellt, die die charakteristische, sackartige Erweiterung der Gallengänge sichtbar macht, wobei eine ergänzende Magnetresonanztomografie der Gallenwege das genaue Ausmaß sowie den exakten Verlauf der Fehlbildung zusätzlich präzisieren kann. Diese detaillierte bildgebende Darstellung ist für die genaue operative Planung von entscheidender Bedeutung. Eine Blutuntersuchung zeigt bei bestehender Abflussstörung typischerweise erhöhte Leber- sowie Gallenwerte.
Behandlung
Die Behandlung der Choledochuszyste besteht in einer operativen, vollständigen Entfernung der erweiterten Gallengangsabschnitte, gefolgt von einer Neuformung der Gallenableitung mittels einer Verbindung zwischen der Leber sowie einer Dünndarmschlinge, um einen normalen Galleabfluss dauerhaft wiederherzustellen. Diese Operation wird angesichts des erhöhten Krebsrisikos bei fortbestehender Zyste auch bei beschwerdefreien, zufällig entdeckten Choledochuszysten dringend empfohlen sowie idealerweise frühzeitig nach der Diagnosestellung durchgeführt. Eine unvollständige Entfernung der Zyste, bei der Reste des veränderten Gewebes zurückbleiben, erhöht das spätere Krebsrisiko fort, weshalb eine vollständige chirurgische Entfernung von entscheidender Bedeutung ist.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Choledochuszyste ist bei einer frühzeitigen, vollständigen operativen Entfernung sehr gut, wobei die überwiegende Mehrheit der behandelten Kinder eine normale Gallefunktion sowie eine unbeeinträchtigte weitere Entwicklung erreicht. Eine unbehandelt belassene oder unvollständig entfernte Choledochuszyste ist dagegen mit einem im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhten Risiko für die spätere Entwicklung eines bösartigen Tumors der Gallenwege verbunden, das mit zunehmendem Lebensalter weiter ansteigt. Eine regelmäßige, langfristige Nachsorge wird auch nach erfolgreicher operativer Behandlung empfohlen, um mögliche Spätkomplikationen frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Choledochuszyste: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist die klassische Symptomtrias der Choledochuszyste?
Bauchschmerzen, eine tastbare Vorwölbung im rechten Oberbauch sowie eine Gelbfärbung der Haut.
Warum ist eine operative Entfernung auch bei fehlenden Beschwerden empfohlen?
Wegen des deutlich erhöhten Risikos für einen späteren bösartigen Tumor der Gallenwege.
Wie wird die Gallenableitung nach Entfernung der Zyste wiederhergestellt?
Durch eine operative Verbindung zwischen der Leber und einer Dünndarmschlinge.
Wer ist häufiger betroffen?
Mädchen deutlich häufiger als Jungen.
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