Akutes nephritisches Syndrom
Das akute nephritische Syndrom bezeichnet ein Krankheitsbild, das durch eine plötzlich auftretende Entzündung der Glomeruli, der kleinen, für die Filterfunktion der Niere entscheidenden Blutgefäßknäuel, gekennzeichnet ist sowie sich durch die charakteristische Kombination aus Blut im Urin, einer verminderten Urinausscheidung, Bluthochdruck sowie Wassereinlagerungen im Gewebe äußert. Dieses Syndrom tritt am häufigsten als Folgereaktion einige Wochen nach einer vorangegangenen bakteriellen Infektion, insbesondere einer Streptokokkeninfektion des Rachens oder der Haut, auf, wenn sich im Rahmen der körpereigenen Immunabwehr gebildete Antikörper-Komplexe in den kleinen Blutgefäßknäueln der Niere ablagern sowie dort eine Entzündungsreaktion auslösen. Das akute nephritische Syndrom kann jedoch auch im Rahmen zahlreicher anderer Nierenerkrankungen sowie systemischer Erkrankungen auftreten, weshalb eine gezielte Ursachenabklärung für die weitere Behandlung entscheidend ist.
Ursachen
Das akute nephritische Syndrom entsteht am häufigsten als sogenannte postinfektiöse Glomerulonephritis, bei der sich einige Wochen nach einer vorangegangenen bakteriellen Infektion, insbesondere einer Streptokokkeninfektion des Rachens oder der Haut, im Rahmen der körpereigenen Immunantwort gebildete Antikörper-Komplexe in den kleinen Blutgefäßknäueln der Niere ablagern sowie dort eine entzündliche Schädigung auslösen. Weitere wichtige Ursachen umfassen bestimmte primäre, direkt die Niere betreffende Autoimmunerkrankungen der Glomeruli sowie systemische Erkrankungen wie den systemischen Lupus erythematodes oder bestimmte Formen der Gefäßentzündung, die die Niere im Rahmen einer umfassenderen Erkrankung mitbetreffen können.
Symptome
Das akute nephritische Syndrom äußert sich durch eine charakteristische Kombination aus Blut im Urin, das den Urin mitunter sichtbar bräunlich oder rötlich verfärbt, einer deutlich verminderten Urinausscheidung sowie einer damit verbundenen Wasseransammlung im Gewebe, die sich insbesondere als Schwellung der Augenlider sowie der Beine äußert. Ein neu aufgetretener oder sich verschlechternder Bluthochdruck sowie eine allgemeine Müdigkeit sowie Abgeschlagenheit begleiten das Krankheitsbild zusätzlich. Bei einem schweren Verlauf kann sich eine erhebliche, unter Umständen dialysepflichtige Einschränkung der Nierenfunktion entwickeln.
Diagnostik
Die Diagnose des akuten nephritischen Syndroms wird durch eine Urinuntersuchung gestellt, die den charakteristischen Nachweis von Blut sowie Eiweiß im Urin liefert, ergänzt durch eine Blutuntersuchung zur Beurteilung der Nierenfunktion sowie eine gezielte Suche nach einer vorangegangenen Infektion oder einer zugrunde liegenden systemischen Erkrankung. Eine Gewebeprobe der Niere kann bei unklarer Ursache oder schwerem Verlauf zur genauen Bestimmung der zugrunde liegenden entzündlichen Veränderung sowie zur gezielten Behandlungsplanung notwendig werden. Eine Blutdruckmessung sowie eine Erfassung der Urinmenge ergänzen die Diagnostik zusätzlich.
Behandlung
Die Behandlung des akuten nephritischen Syndroms richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache, wobei die häufige, postinfektiöse Form bei Kindern in aller Regel überwiegend unterstützend, mit einer Kontrolle des Bluthochdrucks sowie einer Einschränkung der Flüssigkeits- sowie Salzzufuhr, behandelt wird sowie sich meist von selbst zurückbildet. Bei einer durch eine Autoimmunerkrankung bedingten Form wird häufig eine gezielte, das Immunsystem dämpfende Behandlung eingeleitet, um die fortschreitende Schädigung der Niere zu begrenzen. Bei einer schweren Einschränkung der Nierenfunktion kann eine vorübergehende Dialysebehandlung notwendig werden, bis sich die Nierenfunktion wieder erholt hat.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des akuten nephritischen Syndroms hängt entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache ab, wobei die bei Kindern häufige, postinfektiöse Form in der überwiegenden Mehrheit der Fälle innerhalb weniger Wochen bis Monate folgenlos ausheilt. Bei Erwachsenen sowie bei einer durch eine Autoimmunerkrankung bedingten Form ist die Prognose variabler, wobei ein Teil der Betroffenen eine bleibende Einschränkung der Nierenfunktion entwickelt, die im Verlauf eine dauerhafte Dialysebehandlung notwendig machen kann. Eine frühzeitige Diagnosestellung sowie eine der Ursache angepasste Behandlung sind für die langfristige Erhaltung der Nierenfunktion von entscheidender Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Akutes nephritisches Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist die häufigste Ursache bei Kindern?
Eine postinfektiöse Glomerulonephritis, die einige Wochen nach einer Streptokokkeninfektion auftritt.
Welche Symptomkombination ist charakteristisch?
Blut im Urin, verminderte Urinausscheidung, Bluthochdruck sowie Wassereinlagerungen im Gewebe.
Wie ist die Prognose bei Kindern meist?
Sehr gut — die postinfektiöse Form heilt in der überwiegenden Mehrheit der Fälle folgenlos aus.
Wann kann eine Dialysebehandlung notwendig werden?
Bei einer schweren Einschränkung der Nierenfunktion, bis sich diese wieder erholt hat.
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