Syndaktylie
Die Syndaktylie bezeichnet eine angeborene Fehlbildung, bei der zwei oder mehr benachbarte Finger oder Zehen während der Embryonalentwicklung nicht vollständig voneinander getrennt werden, sodass sie teilweise oder vollständig über eine Haut- oder in selteneren Fällen sogar eine knöcherne Verbindung miteinander verwachsen bleiben. Diese Fehlbildung zählt zu den häufigsten angeborenen Handfehlbildungen sowie tritt am häufigsten zwischen dem dritten sowie vierten Finger der Hand sowie zwischen der zweiten sowie dritten Zehe des Fußes auf. Die Ausprägung reicht von einer geringfügigen, nur die Basis der Finger betreffenden Hautverbindung bis zu einer vollständigen, bis zur Fingerspitze reichenden Verwachsung, die bei einer knöchernen Beteiligung zusätzlich die normale Beweglichkeit der betroffenen Finger einschränken kann.
Ursachen
Die Syndaktylie entsteht durch eine Störung des normalen Trennungsprozesses der Finger- oder Zehenanlagen während der frühen Embryonalentwicklung, bei dem sich die ursprünglich als gemeinsame Gewebeplatte angelegten Finger oder Zehen normalerweise durch ein programmiertes Absterben des dazwischenliegenden Gewebes voneinander trennen. Bleibt dieser Trennungsprozess unvollständig, verbleibt eine Haut- oder, seltener, eine knöcherne Verbindung zwischen den benachbarten Fingern oder Zehen. Ein Teil der Fälle tritt isoliert sowie familiär gehäuft auf, während ein anderer Teil im Rahmen eines genau definierten genetischen Syndroms mit weiteren Begleitfehlbildungen auftritt.
Symptome
Die Syndaktylie äußert sich durch eine bereits bei der Geburt sichtbare, teilweise oder vollständige Verwachsung zweier oder mehrerer benachbarter Finger oder Zehen über eine Haut- oder, seltener, eine knöcherne Verbindung. Die betroffenen Finger sind je nach Ausmaß der Verwachsung in ihrer eigenständigen Beweglichkeit unterschiedlich stark eingeschränkt, wobei eine geringfügige, nur die Fingerbasis betreffende Verwachsung die Handfunktion meist kaum beeinträchtigt, während eine ausgedehnte, bis zur Fingerspitze reichende sowie knöcherne Verwachsung die Greiffunktion der Hand deutlich einschränken kann. Über die funktionelle Beeinträchtigung hinaus kann die Syndaktylie eine kosmetische sowie psychosoziale Belastung für das betroffene Kind darstellen.
Diagnostik
Die Diagnose der Syndaktylie wird bereits durch eine körperliche Untersuchung des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt gestellt, wobei eine Röntgenaufnahme der betroffenen Hand oder des betroffenen Fußes das genaue Ausmaß einer möglichen knöchernen Beteiligung sowie eine mögliche gemeinsame Nutzung von Sehnen oder Nerven zwischen den verwachsenen Fingern zusätzlich darstellen kann. Diese bildgebende Untersuchung ist für die genaue operative Planung von entscheidender Bedeutung. Bei Verdacht auf ein zugrunde liegendes genetisches Syndrom aufgrund weiterer Begleitfehlbildungen wird eine gezielte genetische Untersuchung empfohlen.
Behandlung
Die Behandlung der Syndaktylie besteht bei einer funktionell relevanten oder kosmetisch belastenden Verwachsung in einer operativen Trennung der betroffenen Finger, die üblicherweise im Kleinkindalter, meist vor dem Beginn des zweiten Lebensjahres, durchgeführt wird, um eine bestmögliche Handfunktion sowie ein weitgehend normales Wachstum der einzelnen Finger zu ermöglichen. Bei einer sehr ausgedehnten Verwachsung, die mehr als zwei Finger gleichzeitig betrifft, kann die operative Trennung in mehreren, zeitlich getrennten Eingriffen erfolgen, um die Durchblutung der einzelnen Finger während der Operation nicht zu gefährden. Eine geringfügige, funktionell unbedeutende Verwachsung kann je nach individueller Situation auch unbehandelt belassen werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Syndaktylie ist bei einer fachgerecht sowie zum geeigneten Zeitpunkt durchgeführten operativen Trennung sehr gut, wobei die überwiegende Mehrheit der betroffenen Kinder nach dem Eingriff eine gute Handfunktion sowie ein kosmetisch zufriedenstellendes Erscheinungsbild erreicht. Eine unbehandelt belassene, funktionell bedeutsame Syndaktylie kann dagegen im Verlauf des Wachstums zu einer zunehmenden Fehlstellung der betroffenen Finger sowie zu funktionellen Einschränkungen führen, da die verwachsenen Finger unterschiedlich schnell wachsen können. Eine frühzeitige, spezialisierte handchirurgische Beratung wird bei jeder Form der Syndaktylie empfohlen, um den optimalen Behandlungszeitpunkt individuell festzulegen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Syndaktylie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wo tritt die Syndaktylie am häufigsten auf?
Zwischen dem dritten und vierten Finger der Hand sowie zwischen der zweiten und dritten Zehe.
Wodurch entsteht die Verwachsung?
Durch eine unvollständige Trennung der Finger- oder Zehenanlagen während der Embryonalentwicklung.
Wann wird die operative Trennung meist durchgeführt?
Üblicherweise im Kleinkindalter, meist vor dem Beginn des zweiten Lebensjahres.
Muss jede Syndaktylie operiert werden?
Nein, eine geringfügige, funktionell unbedeutende Verwachsung kann je nach Situation auch unbehandelt belassen werden.
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