Stenose und Insuffizienz der Tränenwege
Die Tränenwege leiten den ständig auf der Augenoberfläche gebildeten Tränenfilm über ein feines System aus kleinen Kanälchen und einem Tränensack in die Nase ab. Bei einer Stenose der Tränenwege ist dieser Abflussweg an einer oder mehreren Stellen verengt, während bei einer Insuffizienz die ableitenden Strukturen zwar durchgängig sind, aber ihre Pumpfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen, sodass die Tränenflüssigkeit trotz offenem Weg nicht regelrecht abtransportiert wird. Beide Zustände führen zu einem ähnlichen Beschwerdebild und werden daher häufig gemeinsam betrachtet, da sich Verengung und Funktionsstörung in ihren Auswirkungen auf den Tränenabfluss überschneiden können.
Ursachen
Eine Stenose der Tränenwege kann angeboren/">angeboren sein, wobei bei Neugeborenen häufig eine noch nicht vollständig durchgängige Mündung des Tränennasengangs vorliegt, die sich in den meisten Fällen innerhalb der ersten Lebensmonate von selbst öffnet. Im Erwachsenenalter entsteht eine Stenose meist durch altersbedingte Vernarbungsprozesse der feinen Schleimhaut in den Tränenwegen, die mit zunehmendem Lebensalter, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren, gehäuft auftreten. Eine Insuffizienz der Tränenwege entsteht hingegen meist durch eine Erschlaffung der für die Pumpfunktion zuständigen Muskulatur im Bereich des Augenlids, etwa im Rahmen einer altersbedingten Lidfehlstellung, bei der sich das untere Augenlid von der Augenoberfläche abhebt.
Symptome
Das führende Symptom sowohl der Stenose als auch der Insuffizienz der Tränenwege ist ein vermehrtes Tränen des betroffenen Auges, das besonders bei Kälte, Wind oder starkem Lichteinfall im Freien zunimmt, während es in geschlossenen, warmen Räumen mitunter weniger ausgeprägt ist. Durch den gestauten Tränenfilm im Bereich des Tränensacks kann es zudem zu wiederkehrenden Entzündungen mit Rötung, Schwellung und gelegentlich schmerzhafter Druckempfindlichkeit im inneren Augenwinkel kommen. Manche Betroffene bemerken zusätzlich ein Verkleben der Wimpern, insbesondere morgens nach dem Schlafen, sowie einen unangenehmen Druck im Bereich des Tränensacks.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch eine augenärztliche Untersuchung, bei der zunächst die Lage und Stellung der Augenlider sowie eine mögliche sichtbare Schwellung im Bereich des Tränensacks beurteilt werden. Eine sogenannte Tränenwegsspülung, bei der eine Flüssigkeit vorsichtig in die feinen Tränenkanälchen eingebracht wird, gibt Aufschluss darüber, ob und an welcher Stelle eine Verengung der ableitenden Tränenwege vorliegt. Bei Verdacht auf eine reine Pumpfunktionsstörung ohne eigentliche Verengung wird zusätzlich die Stellung und Beweglichkeit des Augenlids sorgfältig geprüft, da hier meist eine Insuffizienz statt einer Stenose zugrunde liegt.
Behandlung
Bei Säuglingen mit einer angeborenen, noch nicht vollständig durchgängigen Tränenwegsmündung wird zunächst abwartend vorgegangen und eine vorsichtige Massage des Tränensacks empfohlen, da sich der Gang in den meisten Fällen von selbst öffnet. Bleibt die Stenose bestehen oder tritt sie im Erwachsenenalter auf, kann eine vorsichtige Aufdehnung der Tränenwege mittels einer feinen Sonde oder, bei ausgeprägteren Verengungen, ein operativer Eingriff notwendig werden, bei dem ein neuer Verbindungsweg zwischen Tränensack und Nase geschaffen wird. Bei einer Insuffizienz durch eine Lidfehlstellung steht die operative Korrektur der Lidposition im Vordergrund, um die normale Pumpfunktion des Augenlids wiederherzustellen.
Verlauf und Prognose
Die angeborene Form bei Säuglingen hat eine sehr gute Prognose, da sich die Mehrzahl der Fälle innerhalb der ersten Lebensmonate ohne bleibende Folgen von selbst löst. Bei der im Erwachsenenalter erworbenen Stenose oder Insuffizienz führt eine rechtzeitige Behandlung meist zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden, wobei sich insbesondere die operative Schaffung eines neuen Abflussweges als langfristig sehr wirksam erwiesen hat. Unbehandelt kann eine anhaltende Stauung des Tränenfilms zu wiederkehrenden, mitunter hartnäckigen Entzündungen des Tränensacks führen, weshalb eine rechtzeitige augenärztliche Abklärung bei anhaltendem Tränenlaufen empfehlenswert ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Erkrankungen der Tränenwege: Ursachen, Diagnostik, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich eine Stenose von einer Insuffizienz der Tränenwege?
Bei der Stenose ist der Abflussweg an einer Stelle verengt, bei der Insuffizienz ist der Weg zwar offen, aber die Pumpfunktion zum Abtransport der Tränenflüssigkeit ist gestört.
Warum tränt das Auge bei dieser Erkrankung vermehrt?
Weil die Tränenflüssigkeit aufgrund der Verengung oder gestörten Pumpfunktion nicht mehr regelrecht in die Nase abfließen kann und sich stattdessen auf der Augenoberfläche staut.
Löst sich die Verengung bei Säuglingen von selbst?
In den meisten Fällen ja, die Mündung des Tränennasengangs öffnet sich bei der Mehrzahl der betroffenen Säuglinge innerhalb der ersten Lebensmonate von selbst.
Wie wird eine hartnäckige Verengung im Erwachsenenalter behandelt?
Zunächst mit einer vorsichtigen Aufdehnung mittels einer feinen Sonde, bei ausgeprägteren Fällen mit einem operativen Eingriff zur Schaffung eines neuen Abflussweges.
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