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Vergiftungen

Salizylatvergiftung

Die Salizylatvergiftung bezeichnet eine akute Überdosierung mit Salizylaten, einer Gruppe von Arzneistoffen, deren bekanntester Vertreter die weitverbreitet als Schmerz-, Fiebersenkungs- sowie Entzündungshemmer eingesetzte Acetylsalicylsäure ist. Im Unterschied zu vielen anderen Vergiftungen ist das klinische Bild der Salizylatvergiftung durch eine komplexe, sich im Verlauf verändernde Störung des Säure-Basen-Haushalts gekennzeichnet, bei der zunächst eine übermäßige Atmung mit einer Alkalisierung des Blutes im Vordergrund steht, bevor sich im weiteren Verlauf eine gefährliche Übersäuerung des Blutes entwickelt. Diese besondere Stoffwechseldynamik erfordert eine sorgfältige, wiederholte Kontrolle der Blutwerte, um die Behandlung dem jeweiligen Vergiftungsstadium anzupassen.

Ursachen

Die Salizylatvergiftung entsteht überwiegend durch die Einnahme einer deutlich über der empfohlenen Höchstdosis liegenden Menge an Acetylsalicylsäure, sei es im Rahmen eines Suizidversuchs bei Erwachsenen oder durch eine versehentliche Einnahme bei Kindern, die von der süßlich schmeckenden, häufig bunt gefärbten Kindertablettenform angezogen werden. Auch eine wiederholte, über mehrere Tage erfolgende, geringfügige Überdosierung im Rahmen einer dauerhaften Schmerzbehandlung kann bei älteren Menschen aufgrund einer verminderten Ausscheidungsleistung der Nieren zu einer schleichenden, chronischen Salizylatvergiftung führen. Diese chronische Verlaufsform wird aufgrund ihrer unspezifischen Symptomatik häufig zunächst nicht erkannt.

Symptome

Die Salizylatvergiftung äußert sich zunächst durch Übelkeit, Erbrechen sowie ein charakteristisches Ohrensausen, gefolgt von einer auffällig beschleunigten, vertieften Atmung als Ausdruck der beginnenden Stoffwechselstörung. Im weiteren Verlauf können Verwirrtheit, Fieber sowie eine zunehmende Bewusstseinstrübung auftreten, wobei bei schweren Verläufen ein Hirnödem sowie ein Lungenödem als besonders gefährliche Komplikationen drohen. Bei Kindern verläuft die Salizylatvergiftung häufig rascher sowie schwerer als bei Erwachsenen, weshalb bereits bei Verdacht auf eine relevante Einnahmemenge eine unverzügliche ärztliche Abklärung erfolgen sollte.

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Diagnostik

Die Diagnose der Salizylatvergiftung wird durch eine gezielte Bestimmung des Salizylatspiegels im Blut gestellt, wobei angesichts der verzögerten sowie sich verändernden Aufnahme der Substanz aus dem Magen-Darm-Trakt wiederholte Messungen im Abstand von mehreren Stunden notwendig sind, um den tatsächlichen Vergiftungsverlauf sicher einzuschätzen. Eine wiederholte Blutgasanalyse zur Erfassung der sich im Verlauf verändernden Säure-Basen-Störung sowie eine Kontrolle der Nierenfunktion sowie des Blutzuckers ergänzen die notfallmedizinische Diagnostik. Eine sorgfältige Befragung nach der genauen eingenommenen Menge sowie dem Einnahmezeitpunkt ist für die Behandlungsplanung von erheblicher Bedeutung.

Behandlung

Die Behandlung der Salizylatvergiftung erfolgt überwiegend symptomatisch mittels intensivmedizinischer Überwachung sowie, bei einer innerhalb der ersten Stunden erfolgenden Behandlung, der Verabreichung von medizinischer Kohle zur Verminderung der weiteren Aufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt. Eine gezielte Alkalisierung des Urins durch die intravenöse Gabe von Natriumbikarbonat beschleunigt die Ausscheidung der Salizylate über die Nieren erheblich sowie stellt eine zentrale Säule der Behandlung dar. Bei besonders schweren Vergiftungen mit ausgeprägter Stoffwechselentgleisung oder Nierenversagen kann ein Blutreinigungsverfahren zur schnelleren Entgiftung notwendig werden.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der Salizylatvergiftung hängt entscheidend von der aufgenommenen Menge sowie der Geschwindigkeit der eingeleiteten, insbesondere die Ausscheidung fördernden Behandlung ab, wobei eine rechtzeitig erkannte sowie konsequent behandelte Vergiftung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen ohne bleibende Schäden ausheilt. Eine unbehandelt fortschreitende, schwere Stoffwechselentgleisung mit Hirnödem oder Nierenversagen ist dagegen mit einer ernsten Prognose verbunden. Die bei älteren Menschen auftretende, chronische Salizylatvergiftung wird aufgrund ihrer unspezifischen Symptomatik besonders häufig verzögert erkannt, weshalb bei entsprechenden Warnzeichen unter einer dauerhaften Schmerzbehandlung stets auch an diese Möglichkeit gedacht werden sollte.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Was ist ein typisches Frühsymptom einer Salizylatvergiftung?

Ohrensausen sowie eine auffällig beschleunigte, vertiefte Atmung.

Warum sind wiederholte Blutspiegelmessungen notwendig?

Weil die Aufnahme der Substanz verzögert erfolgt und der Verlauf sich über mehrere Stunden verändert.

Was ist eine zentrale Behandlungsmaßnahme?

Die Alkalisierung des Urins zur beschleunigten Ausscheidung der Salizylate über die Nieren.

Wer ist für die chronische Verlaufsform besonders gefährdet?

Ältere Menschen mit verminderter Nierenfunktion unter dauerhafter Schmerzbehandlung.

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