Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Frauengesundheit

Protrahiert verlaufende Austreibungsperiode (bei der Geburt)

Die Austreibungsperiode bezeichnet die zweite Phase der Geburt, die nach vollständiger Öffnung des Muttermundes beginnt und mit der Geburt des Kindes endet, wobei das Kind unter der Wirkung der Wehen sowie des aktiven Mitpressens der Gebärenden zunehmend tiefer in den Geburtskanal tritt. Eine protrahiert verlaufende Austreibungsperiode liegt vor, wenn dieses Tiefertreten des Kindes deutlich langsamer verläuft, als es für eine unkomplizierte Geburt üblich ist. Im Unterschied zu einer protrahierten Eröffnungsperiode betrifft diese Verzögerung damit die letzte, körperlich anspruchsvollste Phase der Geburt, in der sowohl mütterliche als auch kindliche Faktoren den weiteren Verlauf entscheidend beeinflussen können.

Ursachen

Eine protrahiert verlaufende Austreibungsperiode kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein. Häufig liegt eine nachlassende Kraft der Wehentätigkeit oder eine zunehmende körperliche Erschöpfung der Gebärenden nach einer bereits lang andauernden Geburt zugrunde, wodurch das aktive Mitpressen weniger wirksam wird. Auch eine ungünstige Position oder Haltung des kindlichen Kopfes im Geburtskanal sowie ein relatives Missverhältnis zwischen kindlicher Größe und mütterlichem Becken können das Tiefertreten des Kindes erschweren. Bei erstgebärenden Frauen verläuft die Austreibungsperiode zudem physiologisch häufig etwas langsamer als bei Frauen, die bereits zuvor geboren haben.

Symptome

Das führende Anzeichen einer protrahiert verlaufenden Austreibungsperiode ist ein im Vergleich zur erwarteten Geschwindigkeit deutlich verlangsamtes Tiefertreten des kindlichen Kopfes trotz kräftiger Wehen und aktiven Mitpressens der Gebärenden. Die Gebärende kann trotz erheblicher Anstrengung über einen längeren Zeitraum kaum einen spürbaren Fortschritt bemerken. Begleitend zeigt sich häufig eine zunehmende körperliche Erschöpfung, die den weiteren Geburtsfortschritt zusätzlich erschweren kann, sowie mitunter Anzeichen einer beginnenden Beeinträchtigung des Kindes, die durch die überwachte kindliche Herzfrequenz erkennbar werden können.

Anzeige

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine regelmäßige geburtshilfliche Untersuchung, bei der die Position und Höhe des kindlichen Kopfes im Geburtskanal in festgelegten zeitlichen Abständen bestimmt und mit dem für die Austreibungsphase üblichen Fortschritt verglichen wird. Eine kontinuierliche Überwachung der kindlichen Herzfrequenz während dieser besonders anstrengenden Geburtsphase ist von großer Bedeutung, um eine mögliche Beeinträchtigung des Kindes frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich wird die Qualität der Wehentätigkeit sowie der Grad der mütterlichen Erschöpfung beurteilt, um mögliche zugrunde liegende Ursachen der Verlangsamung einzuordnen.

Behandlung

Bei einer durch nachlassende Wehentätigkeit bedingten protrahierten Austreibungsperiode kann eine gezielte Unterstützung der Wehen sowie eine Anleitung zu einer wirksameren Presstechnik hilfreich sein. Zeigt sich trotz dieser Maßnahmen weiterhin kein ausreichender Fortschritt, insbesondere bei bereits weit fortgeschrittenem Tiefertreten des kindlichen Kopfes, kann eine instrumentelle Entbindung mittels Zange oder Saugglocke in Betracht gezogen werden, um die Geburt zügig zu beenden. Ist eine instrumentelle Entbindung aufgrund der Position des Kindes nicht möglich oder nicht angezeigt, wird die Geburt durch eine Schnittentbindung beendet.

Verlauf und Prognose

Bei rechtzeitiger Erkennung und gegebenenfalls gezielter Unterstützung gelingt bei einem erheblichen Teil der betroffenen Frauen dennoch eine vaginale Geburt, sei es spontan oder mit instrumenteller Unterstützung. Eine kontinuierliche, aufmerksame Überwachung während der gesamten Austreibungsperiode ist entscheidend, da sich in dieser Phase sowohl die mütterliche Erschöpfung als auch eine mögliche kindliche Beeinträchtigung rasch entwickeln können. Bei rechtzeitiger, angemessener Reaktion auf eine Verlangsamung ist die Prognose für Mutter und Kind in aller Regel gut.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Anzeige
FAQ

Häufige Fragen

Was ist die Austreibungsperiode?

Die zweite Phase der Geburt, die nach vollständiger Muttermundöffnung beginnt und mit der Geburt des Kindes endet, während dessen das Kind zunehmend tiefer in den Geburtskanal tritt.

Welche Ursachen kann eine Verlangsamung in dieser Phase haben?

Häufig eine nachlassende Kraft der Wehentätigkeit oder mütterliche Erschöpfung, eine ungünstige Position des kindlichen Kopfes oder ein relatives Missverhältnis zwischen Kind und Becken.

Wie wird bei einer Verzögerung vorgegangen?

Zunächst durch gezielte Unterstützung der Wehen und der Presstechnik, bei anhaltender Verzögerung durch eine instrumentelle Entbindung oder, falls nicht möglich, durch eine Schnittentbindung.

Warum ist eine engmaschige Überwachung in dieser Phase besonders wichtig?

Weil sich sowohl die mütterliche Erschöpfung als auch eine mögliche kindliche Beeinträchtigung in dieser körperlich anspruchsvollen Phase rasch entwickeln können.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen