Makroglossie
Die Makroglossie bezeichnet eine ungewöhnliche, über das übliche Maß hinausgehende Vergrößerung der Zunge, die entweder als eigenständige, isolierte Besonderheit oder, häufiger, als Begleiterscheinung verschiedener zugrunde liegender Erkrankungen sowie genetischer Syndrome auftreten kann. Eine deutlich vergrößerte Zunge kann je nach Ausmaß erhebliche funktionelle Auswirkungen auf die Atmung, die Nahrungsaufnahme sowie die Sprachentwicklung des betroffenen Kindes haben, insbesondere wenn die Zunge nicht mehr vollständig innerhalb der Mundhöhle Platz findet. Da die Makroglossie bei einem erheblichen Teil der Betroffenen als Hinweis auf eine zugrunde liegende, teils behandlungsbedürftige Erkrankung dient, ist eine gezielte diagnostische Abklärung der Ursache bei jedem Nachweis einer relevanten Zungenvergrößerung von erheblicher Bedeutung.
Ursachen
Die Makroglossie kann durch zahlreiche unterschiedliche Ursachen entstehen, wobei zu den wichtigsten angeborenen Ursachen bestimmte genetische Syndrome, insbesondere das Beckwith-Wiedemann-Syndrom sowie das Down-Syndrom, sowie eine angeborene Fehlbildung der Lymphgefäße der Zunge zählen. Erworbene Ursachen einer Zungenvergrößerung umfassen eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, eine Ablagerungskrankheit mit Speicherung abnormer Eiweißstoffe sowie, seltener, eine Vergrößerung der Zunge im Rahmen einer bösartigen Blut- oder Lymphdrüsenerkrankung. Eine sorgfältige Unterscheidung zwischen diesen verschiedenen, zugrunde liegenden Ursachen ist für die weitere Behandlungsplanung von entscheidender Bedeutung.
Symptome
Die Makroglossie äußert sich durch eine sichtbar vergrößerte Zunge, die häufig nicht mehr vollständig innerhalb der geschlossenen Mundhöhle Platz findet, sodass die Zungenspitze zwischen den Lippen oder über die Zahnreihe hinaus sichtbar wird. Je nach Ausmaß der Vergrößerung können Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, insbesondere beim Stillen im Säuglingsalter, eine erschwerte Atmung mit einem charakteristischen Schnarchgeräusch sowie Sprachauffälligkeiten auftreten. Bei einer besonders ausgeprägten Vergrößerung kann die Zunge zudem austrocknen sowie Geschwüre entwickeln, da sie nicht mehr ausreichend durch die Lippen geschützt ist.
Diagnostik
Die Diagnose der Makroglossie wird durch eine körperliche Untersuchung der Mundhöhle sowie eine gezielte Suche nach weiteren, auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisenden Merkmalen gestellt, wobei eine Blutuntersuchung zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion sowie zum Ausschluss bestimmter Stoffwechselerkrankungen bei jedem Nachweis einer relevanten Zungenvergrößerung durchgeführt wird. Bei Verdacht auf ein zugrunde liegendes genetisches Syndrom wird eine gezielte genetische Untersuchung empfohlen. Eine Bildgebung mittels Magnetresonanztomografie kann das genaue Ausmaß der Zungenvergrößerung sowie eine mögliche zugrunde liegende Fehlbildung der Lymphgefäße zusätzlich darstellen.
Behandlung
Die Behandlung der Makroglossie richtet sich vorrangig nach der zugrunde liegenden Ursache, wobei eine durch eine Schilddrüsenunterfunktion bedingte Zungenvergrößerung durch eine gezielte Hormonersatzbehandlung häufig gut rückläufig ist. Bei einer angeborenen, funktionell relevanten Zungenvergrößerung ohne behandelbare Grunderkrankung kann eine operative Verkleinerung der Zunge in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn erhebliche Atem-, Ernährungs- oder Sprachbeeinträchtigungen bestehen. Eine begleitende logopädische sowie ernährungsmedizinische Betreuung unterstützt die Behandlung zusätzlich, während bei leichteren, funktionell unbedeutenden Ausprägungen eine abwartende, regelmäßige Verlaufskontrolle ausreichend sein kann.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Makroglossie hängt entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Ausmaß der funktionellen Beeinträchtigung ab, wobei eine gut behandelbare zugrunde liegende Erkrankung, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, bei rechtzeitiger Behandlung zu einer deutlichen Rückbildung der Zungengröße führen kann. Bei einer angeborenen, dauerhaften Zungenvergrößerung im Rahmen eines genetischen Syndroms kann eine operative Verkleinerung die funktionellen Beschwerden deutlich lindern, wobei eine langfristige, interdisziplinäre Nachsorge zur Überwachung der Sprach- sowie Kieferentwicklung wichtig bleibt. Eine frühzeitige Diagnosestellung der zugrunde liegenden Ursache ist für eine gezielte sowie erfolgreiche Behandlung von entscheidender Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Makroglossie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Mit welchen genetischen Syndromen tritt die Makroglossie gehäuft auf?
Mit dem Beckwith-Wiedemann-Syndrom sowie dem Down-Syndrom.
Welche erworbene Ursache ist wichtig auszuschließen?
Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion.
Welche Beschwerden kann eine ausgeprägte Makroglossie verursachen?
Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, erschwerte Atmung sowie Sprachauffälligkeiten.
Wann wird eine operative Verkleinerung der Zunge erwogen?
Bei funktionell relevanter Zungenvergrößerung ohne behandelbare Grunderkrankung mit erheblichen Beeinträchtigungen.
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