Fetus papyraceus
Der Fetus papyraceus bezeichnet einen bereits früh in der Schwangerschaft abgestorbenen Zwillings- oder Mehrlingsfetus, der durch den anhaltenden Druck des sich weiter entwickelnden, überlebenden Geschwisterkindes sowie des umgebenden Fruchtwassers im Laufe der fortgesetzten Schwangerschaft zunehmend flach zusammengepresst sowie mumifiziert wird, wodurch er ein charakteristisches, papierartig flaches sowie eingetrocknetes Erscheinungsbild annimmt, das der Erkrankung ihren Namen gegeben hat. Dieses Phänomen tritt ausschließlich bei Mehrlingsschwangerschaften auf, wenn einer der Feten bereits früh, meist im ersten oder frühen zweiten Schwangerschaftsdrittel, verstirbt, während der andere Fetus oder die anderen Feten sich normal weiterentwickeln. Der Fetus papyraceus wird meist erst bei der Geburt oder im Rahmen einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung entdeckt sowie stellt für das überlebende Geschwisterkind in aller Regel keine relevante Gefahr dar.
Ursachen
Der Fetus papyraceus entsteht durch das frühe Absterben eines Feten innerhalb einer Mehrlingsschwangerschaft, wobei die genaue zugrunde liegende Ursache des frühen Fruchttods vielfältig sein kann, einschließlich einer Chromosomenstörung, einer Fehlbildung der Plazenta oder Nabelschnur sowie eines Ungleichgewichts in der Blutversorgung zwischen den Feten bei eineiigen Zwillingen. Der abgestorbene Fetus wird in der Folge durch den anhaltenden Druck des sich weiterentwickelnden, überlebenden Geschwisterkindes sowie des umgebenden Fruchtwassers zunehmend zusammengepresst, wobei die Flüssigkeit aus dem abgestorbenen Gewebe allmählich resorbiert wird.
Symptome
Der Fetus papyraceus verursacht bei der schwangeren Frau in aller Regel keine eigenständigen Beschwerden, wobei das frühe Absterben eines der Feten mitunter mit einer leichten vaginalen Blutung im ersten Schwangerschaftsdrittel einhergehen kann, ohne dass dies von einem gewöhnlichen, drohenden Abort zu unterscheiden ist. Die tatsächliche Diagnose eines Fetus papyraceus wird meist erst durch eine spätere Ultraschalluntersuchung oder erst bei der Geburt gestellt, wenn der charakteristisch flach zusammengepresste, mumifizierte Fetus gemeinsam mit dem gesund geborenen Geschwisterkind sowie der Plazenta zur Welt kommt.
Diagnostik
Die Diagnose des Fetus papyraceus wird durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt, die einen zunächst regelrecht angelegten, jedoch nicht mehr wachsenden sowie im weiteren Verlauf zunehmend flach erscheinenden zweiten Fetus innerhalb einer Mehrlingsschwangerschaft zeigt. Bei einer erst spät entdeckten oder erst bei der Geburt festgestellten Diagnose wird der charakteristisch flach zusammengepresste, papierartig eingetrocknete Fetus gemeinsam mit der Plazenta feingeweblich untersucht, um die Diagnose zu bestätigen sowie mögliche zugrunde liegende Ursachen des frühen Fruchttods zu klären.
Behandlung
Eine spezifische Behandlung des Fetus papyraceus selbst ist nicht notwendig, da der frühe Fruchttod bereits eingetreten sowie nicht rückgängig zu machen ist, wobei sich die weitere Betreuung der Schwangerschaft auf eine engmaschige Überwachung der Entwicklung des überlebenden Geschwisterkindes konzentriert. Eine gezielte Suche nach der zugrunde liegenden Ursache des frühen Fruchttods, insbesondere bei eineiigen Zwillingen mit Verdacht auf ein Ungleichgewicht der Blutversorgung, kann für die weitere Überwachung der laufenden Schwangerschaft von Bedeutung sein. Die weitere Schwangerschaft wird bei fehlenden zusätzlichen Komplikationen in aller Regel regulär bis zum errechneten Geburtstermin fortgeführt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose für das überlebende Geschwisterkind ist bei einem Fetus papyraceus in aller Regel sehr gut, da der bereits früh abgestorbene sowie zunehmend zusammengepresste Fetus in den meisten Fällen keine relevante Gefahr für die weitere Entwicklung des überlebenden Zwillings darstellt. In seltenen, insbesondere bei einer zugrunde liegenden Störung der gemeinsamen Blutversorgung bei eineiigen Zwillingen auftretenden Fällen kann jedoch ein gewisses zusätzliches Risiko für das überlebende Kind bestehen, weshalb eine engmaschige Überwachung der weiteren Schwangerschaft empfohlen wird. Eine einfühlsame Aufklärung der betroffenen Eltern über den Verlust eines der Feten bei gleichzeitig guter Prognose für das überlebende Kind ist von erheblicher Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Fetus papyraceus: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was bedeutet Fetus papyraceus?
Ein früh abgestorbener Zwillingsfetus, der im Laufe der Schwangerschaft flach zusammengepresst wird.
Wann wird die Diagnose meist gestellt?
Meist erst durch eine spätere Ultraschalluntersuchung oder erst bei der Geburt.
Ist der überlebende Zwilling meist gefährdet?
In der Regel nicht, außer bei einer zugrunde liegenden Störung der gemeinsamen Blutversorgung bei eineiigen Zwillingen.
Ist eine Behandlung des Fetus papyraceus selbst notwendig?
Nein, da der frühe Fruchttod bereits eingetreten und nicht rückgängig zu machen ist.
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