Akanthamöbiasis
Die Akanthamöbiasis bezeichnet eine Infektion mit Einzellern der Gattung Acanthamoeba, die in der Umwelt weit verbreitet sind sowie in Erde, Süßwasser sowie Leitungswasser natürlicherweise vorkommen, ohne bei den meisten Menschen jemals eine Erkrankung zu verursachen. Die bei weitem häufigste sowie klinisch bedeutsamste Form dieser Infektion betrifft die Hornhaut des Auges sowie tritt nahezu ausschließlich bei Kontaktlinsenträgern auf, insbesondere wenn die Kontaktlinsen mit kontaminiertem Leitungswasser statt mit einer sterilen Kontaktlinsenlösung gereinigt oder aufbewahrt werden. Unbehandelt kann diese Hornhautinfektion zu einer erheblichen, dauerhaften Beeinträchtigung der Sehkraft bis hin zum vollständigen Verlust des Auges führen, weshalb eine frühzeitige Erkennung sowie Behandlung von entscheidender Bedeutung ist.
Ursachen
Die Akanthamöbiasis der Hornhaut entsteht durch den Kontakt der Hornhaut mit den in der Umwelt weit verbreiteten Einzellern, wobei das mit Abstand häufigste Übertragungsrisiko im Tragen von Kontaktlinsen besteht, die mit kontaminiertem Leitungswasser statt mit einer sterilen Kontaktlinsenlösung gereinigt, gespült oder aufbewahrt wurden. Auch das Baden oder Duschen mit eingesetzten Kontaktlinsen sowie die Verwendung selbst hergestellter oder unsachgemäß gelagerter Kontaktlinsenlösungen erhöhen das Ansteckungsrisiko erheblich. Eine bereits bestehende, kleine Verletzung der Hornhautoberfläche begünstigt das Eindringen der Erreger zusätzlich.
Symptome
Die Akanthamöbiasis der Hornhaut äußert sich durch ausgeprägte, häufig als unverhältnismäßig stark empfundene Augenschmerzen, eine deutliche Rötung des Auges sowie eine zunehmende Lichtempfindlichkeit, die sich über Tage bis Wochen langsam verschlechtern können. Eine zunehmende Trübung der Hornhaut sowie eine damit verbundene Sehverschlechterung entwickeln sich im weiteren, unbehandelten Verlauf. Aufgrund der zunächst unspezifischen sowie mitunter mit einer gewöhnlichen bakteriellen Hornhautentzündung verwechselbaren Beschwerden wird die Akanthamöbiasis von betroffenen Kontaktlinsenträgern sowie mitunter auch von behandelnden Ärzten zunächst häufig fehlgedeutet.
Diagnostik
Die Diagnose der Akanthamöbiasis der Hornhaut wird durch eine augenärztliche Untersuchung mittels Spaltlampe gestellt, die charakteristische Veränderungen der Hornhaut zeigen kann, wobei eine Gewebeprobe der Hornhaut sowie eine spezielle mikroskopische oder kulturelle Untersuchung zur endgültigen Bestätigung notwendig ist. Eine gezielte Befragung nach dem Tragen von Kontaktlinsen sowie den dabei verwendeten Reinigungsgewohnheiten ist für die Verdachtsdiagnose von erheblicher Bedeutung, insbesondere da diese Erkrankung bei Nicht-Kontaktlinsenträgern ausgesprochen selten auftritt. Eine konfokale Mikroskopie kann die charakteristischen Erregerformen in ausgewählten Fällen bereits ohne Gewebeprobe direkt sichtbar machen.
Behandlung
Die Behandlung der Akanthamöbiasis der Hornhaut erfolgt mittels spezieller, über mehrere Monate wiederholt angewendeter Augentropfen, die gezielt gegen die Erreger wirksam sind, wobei die Behandlung angesichts der widerstandsfähigen Zystenform des Erregers häufig langwierig sowie schwierig gestaltet ist. Bei einer bereits fortgeschrittenen, tiefen Hornhautschädigung kann eine chirurgische Behandlung, in schweren Fällen bis hin zu einer Hornhauttransplantation, notwendig werden, um die Sehkraft zu erhalten oder wiederherzustellen. Das sofortige, dauerhafte Absetzen der Kontaktlinsen während der gesamten Behandlungsdauer ist eine unverzichtbare begleitende Maßnahme.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Akanthamöbiasis der Hornhaut hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnosestellung ab, wobei eine frühzeitig erkannte sowie konsequent über die volle empfohlene Dauer behandelte Infektion bei einem erheblichen Teil der Betroffenen zu einer guten Erhaltung der Sehkraft führt. Eine verspätet erkannte oder unzureichend behandelte Infektion kann dagegen zu einer erheblichen, dauerhaften Trübung der Hornhaut sowie einer entsprechenden Sehverschlechterung führen, die im schwersten Fall eine Hornhauttransplantation erforderlich macht. Eine konsequente Hygiene bei der Handhabung von Kontaktlinsen, insbesondere die ausschließliche Verwendung steriler Kontaktlinsenlösung sowie das Vermeiden von Kontakt mit Leitungswasser, ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Akanthamöbiasis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wer ist für die Akanthamöbiasis der Hornhaut besonders gefährdet?
Nahezu ausschließlich Kontaktlinsenträger, insbesondere bei Reinigung mit kontaminiertem Leitungswasser.
Womit wird die Erkrankung anfangs häufig verwechselt?
Mit einer gewöhnlichen bakteriellen Hornhautentzündung.
Warum ist die Behandlung oft langwierig?
Wegen der widerstandsfähigen Zystenform des Erregers, die eine über Monate fortgeführte Behandlung erfordert.
Was ist die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme?
Die ausschließliche Verwendung steriler Kontaktlinsenlösung sowie das Vermeiden von Kontakt der Kontaktlinsen mit Leitungswasser.
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