Abdominalgravidität
Die Abdominalgravidität bezeichnet eine äußerst seltene Form der Extrauteringravidität, bei der sich die befruchtete Eizelle nicht, wie bei der weitaus häufigeren Form der Eileiterschwangerschaft, im Eileiter, sondern frei innerhalb der Bauchhöhle, etwa am Darm, am Bauchfell oder an anderen Bauchorganen, einnistet. Diese Form der Fehleinnistung entsteht meist sekundär, wenn eine ursprünglich im Eileiter begonnene Schwangerschaft nach einem Einriss des Eileiters in die Bauchhöhle übertritt sowie sich dort an einem neuen Ort weiter entwickelt. Aufgrund der fehlenden, für eine sichere Schwangerschaft notwendigen Verankerung sowie Gefäßversorgung birgt die Abdominalgravidität ein außerordentlich hohes Risiko für eine lebensbedrohliche innere Blutung, weshalb eine rasche Diagnosestellung sowie Behandlung von entscheidender Bedeutung ist.
Ursachen
Die Abdominalgravidität entsteht in der überwiegenden Mehrheit der Fälle sekundär, wenn eine ursprünglich im Eileiter begonnene Schwangerschaft durch einen Einriss der Eileiterwand in die freie Bauchhöhle übertritt sowie sich dort an einer neuen Stelle, etwa am Bauchfell, am Darm oder an anderen Bauchorganen, weiter einnistet. Seltener kann sich eine befruchtete Eizelle bereits primär, ohne vorausgegangene Eileiterschwangerschaft, direkt in der Bauchhöhle einnisten. Dieselben Risikofaktoren, die auch eine gewöhnliche Eileiterschwangerschaft begünstigen, insbesondere eine vorausgegangene Entzündung der Eileiter oder eine frühere Operation im Beckenbereich, erhöhen das Risiko für eine Abdominalgravidität zusätzlich.
Symptome
Die Abdominalgravidität äußert sich durch anhaltende, häufig diffuse Bauchschmerzen, die sich von den bei einer normalen Schwangerschaft üblichen Beschwerden unterscheiden können, sowie durch eine ungewöhnliche, mitunter schmerzhafte Beweglichkeit des ungeborenen Kindes, die von der Mutter als auffällig empfunden wird. Bei einer bereits eingetretenen, inneren Blutung können sich zusätzlich Zeichen eines Kreislaufschocks, insbesondere Blässe, ein beschleunigter Puls sowie ein Blutdruckabfall, entwickeln. Die Diagnose wird bei einem Teil der Betroffenen erst spät oder erst bei einer bereits eingetretenen, akuten Komplikation gestellt, da die Beschwerden zunächst unspezifisch sein können.
Diagnostik
Die Diagnose der Abdominalgravidität wird durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt, die das Fehlen der Schwangerschaft innerhalb der Gebärmutter sowie deren Lage außerhalb der üblichen Fortpflanzungsorgane innerhalb der freien Bauchhöhle zeigt, wobei diese Diagnose angesichts der Seltenheit sowie der teils untypischen Lage mitunter erst spät gestellt wird. Eine ergänzende Magnetresonanztomografie kann die genaue Lage sowie die Beziehung zu umliegenden Organen zusätzlich präzisieren, was für die operative Planung von erheblicher Bedeutung ist.
Behandlung
Die Behandlung der Abdominalgravidität erfordert angesichts des hohen Blutungsrisikos in aller Regel eine operative Entfernung der fehleinsitzenden Schwangerschaft, die je nach genauer Lage sowie Ausmaß der Einnistung in umliegendes Gewebe technisch äußerst anspruchsvoll sein kann, insbesondere wenn sich die Plazenta bereits fest mit benachbarten Organen verbunden hat. Bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft mit bereits lebensfähigem Kind kann in Einzelfällen eine sorgfältig geplante, operative Entbindung unter Belassen der Plazenta erwogen werden, wobei diese Entscheidung stets hochindividuell sowie unter Abwägung erheblicher mütterlicher Risiken getroffen wird. Eine intensivmedizinische Bereitschaft angesichts des hohen Blutungsrisikos ist bei jeder operativen Behandlung unerlässlich.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Abdominalgravidität ist für die Mutter aufgrund des außerordentlich hohen Blutungsrisikos ernst, wobei eine rechtzeitige Diagnosestellung sowie eine sorgfältig geplante operative Behandlung in einem spezialisierten Zentrum das Risiko erheblich vermindern kann. Die Überlebenschance des ungeborenen Kindes ist bei dieser Form der Fehleinnistung insgesamt gering, wobei in seltenen, gut dokumentierten Einzelfällen auch ein Überleben des Kindes bei einer sorgfältig geplanten, frühzeitigen operativen Entbindung berichtet wurde. Eine rasche fachärztliche Behandlung in einem auf komplexe geburtshilfliche Notfälle spezialisierten Zentrum ist bei dieser äußerst seltenen, jedoch hochriskanten Form der Schwangerschaft von entscheidender Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Abdominalgravidität: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wo nistet sich die Schwangerschaft bei der Abdominalgravidität ein?
Frei innerhalb der Bauchhöhle, etwa am Darm, am Bauchfell oder an anderen Bauchorganen.
Wie entsteht diese Form meist?
Sekundär, wenn eine ursprüngliche Eileiterschwangerschaft nach einem Einriss der Eileiterwand in die Bauchhöhle übertritt.
Warum ist diese Form der Schwangerschaft so gefährlich?
Wegen des außerordentlich hohen Risikos einer lebensbedrohlichen inneren Blutung.
Wie wird sie meist behandelt?
Durch eine operative Entfernung der fehleinsitzenden Schwangerschaft.
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